{"id":9420,"date":"2022-01-14T14:13:35","date_gmt":"2022-01-14T13:13:35","guid":{"rendered":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/?p=9420"},"modified":"2022-01-14T14:13:36","modified_gmt":"2022-01-14T13:13:36","slug":"getreideernte-2021-schwierige-zeiten-fuer-braugerste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/bier\/getreideernte-2021-schwierige-zeiten-fuer-braugerste\/","title":{"rendered":"Getreideernte 2021 – Schwierige Zeiten f\u00fcr Braugerste"},"content":{"rendered":"\n
Die Getreideernte 2021 war von regional unterschiedlichen Ergebnissen hinsichtlich Erntemenge und -qualit\u00e4t gekennzeichnet. Die Ernteergebnisse waren in Summe entt\u00e4uschend. Die im Juni und Juli noch hohen Ertragserwartungen wurden j\u00e4h entt\u00e4uscht. Seitdem explodieren die Getreidepreise. Stephan Bergler, IREKS, analysiert Ursachen und Folgen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n Seit nahezu f\u00fcnf Jahren deckt die weltweite Getreideproduktion nur knapp den j\u00e4hrlichen Verbrauch<\/a>. Vielen von uns ist eine \u00e4hnlich schwache Getreideernte nur noch aus dem Jahre 2007 in Erinnerung. Die Braugerstenernte 2021 durchbricht in preislicher Hinsicht die damaligen Rekordpreise ohne Probleme. Im Unterschied zum Jahr 2007 ist der Markt aber heute von anderen Rahmenbedingungen und einer deutlich st\u00e4rkeren internationalen Nachfrage gekennzeichnet. Das enorm hohe Preisniveau des Getreidemarktes<\/a> wird wohl \u00fcber eine l\u00e4ngere Phase anhalten.<\/p>\n\n\n\n F\u00fcr das Jahr 2021 kann man zusammenfassend von einer guten Versorgung, fast schon \u00dcberversorgung, mit Wasser sprechen.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n Auch die Hitze machte dieses Jahr den Pflanzen weniger zu schaffen. Nur einige, in manchen Regionen extrem hei\u00dfe Tage im Juni bildeten hierbei die Ausnahme. Diese hei\u00dfen Tage wiederum waren f\u00fcr die Kornqualit\u00e4t der Braugerste nicht f\u00f6rderlich<\/a>, sondern f\u00fchrten im Endeffekt zu Sortierungsproblemen mit niedrigem Vollkorngehalt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n Die feuchte Wetterlage hat sich in Deutschland w\u00e4hrend der gesamten Erntephase fortgesetzt, sodass die Erntefenster regional extrem kurz wurden und oftmals nur feuchtes Getreide gedroschen werden konnte. Die sehr niedrigen Temperaturen w\u00e4hrend der Erntephase haben hierbei Schlimmeres verhindert. Starkgewitterlagen mit Hagelsch\u00e4den haben in anderen Regionen zu massiven Sch\u00e4den bis hin zu Totalausf\u00e4llen gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n Die Braugerstenernte 2021 in Deutschland war im Ausgangspunkt von einer Fl\u00e4chenreduzierung von ca. 18 Prozent gegen\u00fcber Vorjahr gekennzeichnet. Die Braugerstenfl\u00e4che fiel auf ein historisches Tief von rund 300000 ha. Die Landwirtschaft hatte damit unter anderem auf den durch die Corona-Pandemie entstandenen Minderbedarf der Brauereien und M\u00e4lzereien<\/a> reagiert. Die Braugerste konnte aufgrund der nur verhaltenen Nachfrage kaum Eigendynamik entwickeln. Die im Herbst 2020 als gut ausreichend eingesch\u00e4tzte Getreideernte 2020 war im Juni 2021 aufgebraucht, und wir gingen mit nahezu leeren Silos in die Ernte 2021.<\/p>\n\n\n\n Die enorm dichten Getreidebest\u00e4nde, die im Vorfeld der Ernte zu sehen waren, n\u00e4hrten die Hoffnung, dass ein hoher Ertrag den Fl\u00e4chenr\u00fcckgang ausgleichen k\u00f6nnte. Die Ertragserwartungen wurden jedoch zutiefst entt\u00e4uscht. Mangelnde N\u00e4hrstoffversorgung der vielen Halme und K\u00f6rner, Krankheitsbefall, einige wenige Hitzetage Ende Juni und einbrechende Getreidebest\u00e4nde durch die feuchte Erntewitterung reduzierten die tats\u00e4chlichen Ertr\u00e4ge regional deutlich<\/a>. <\/p>\n\n\n\n Das Getreide, auch die Braugerste, ist von schwachen HL-Gewichten und regional schwachen Sortierungen gekennzeichnet. In vielen F\u00e4llen wurden feuchte Getreidepartien angeliefert. Eiwei\u00df zeigt sich in der Ernte 2021 nicht als Problem. In den Sp\u00e4terntegebieten kam durch die lange Ernteperiode das Thema Auswuchs zum Tragen. Insgesamt ist festzuhalten, dass wir in Deutschland eine au\u00dfergew\u00f6hnlich lange Ernteperiode \u2013 Anfang Juli bis Mitte September \u2013 hatten. Die Ertr\u00e4ge waren unterdurchschnittlich. Die im September gedroschenen Getreidepartien hatten fast ausnahmslos nur noch Futterqualit\u00e4t. Die aus der Getreideernte 2021 produzierte Braugerstenmenge wird derzeit zwischen 900000 und 1 Mio t eingesch\u00e4tzt. Dies ist ebenfalls ein historisches Tief und hat zur Folge, dass Deutschland einen Importbedarf von mindestens 1 Mio t Braugerste aufweist.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n Die Ernte in S\u00fcd-Ost-Europa war durch eine gute Winterbraugerstenernte und eine schlechte Sommerbraugerstenernte gekennzeichnet. Die Mengenbilanz in der Summe sollte ausgeglichen sein; es sind keine Exportmengen zu erwarten.<\/p>\n\n\n\n Frankreich hat gegen\u00fcber der Getreideernte 2020 auch einen deutlichen Fl\u00e4chenr\u00fcckgang bei der Sommerbraugerste zu verzeichnen<\/a>. Eine gute Winterbraugerstenernte wird durch eine knappe Sommerbraugerstenernte mit Qualit\u00e4tseinschr\u00e4nkungen hinsichtlich Sortierung und Keimf\u00e4higkeit deutlich relativiert. Zus\u00e4tzlich konzentriert sich die Exportnachfrage aus China hinsichtlich Gerste nahezu ausschlie\u00dflich auf Frankreich.<\/p>\n\n\n\n In Skandinavien zeigt sich in D\u00e4nemark eine durchschnittliche Ernte, die aber in Verbindung mit einer schwachen Ernte in Schweden und Finnland wohl nicht 100%ig f\u00fcr den erhofften europ\u00e4ischen Ausgleich sorgen kann.<\/p>\n\n\n\n Die gesamte europ\u00e4ische Versorgungsbilanz f\u00fcr Braugerste stellt sich aus der Getreideernte 2021 \u00e4u\u00dferst knapp, bestenfalls ausgeglichen, dar. Zus\u00e4tzlich wird abzuwarten sein, in wieweit sich die Keimf\u00e4higkeit der qualitativ eingeschr\u00e4nkten Braugerstenpartien bis ins kommende Fr\u00fchjahr erhalten l\u00e4sst, dies ist eine zus\u00e4tzliche Risikoposition. Dadurch kann die Braugerstenbilanz noch ins Negative rutschen. Im Fr\u00fchjahr k\u00f6nnten wir vor einem echten Versorgungsengpass<\/a> stehen.<\/p>\n\n\n\n Auch die anderen Getreidearten, allen voran der Weizen sowie die \u00d6lfr\u00fcchte und der Raps, haben die Ernteerwartungen nicht erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Beide Fr\u00fcchte eilen an der MATIF-B\u00f6rse in Paris von einem Hoch zum anderen. Preise f\u00fcr Weizen und Raps, die vor einem Jahr unvorstellbar waren, sind nun Realit\u00e4t geworden. Aus heutiger Sicht scheint es keine Grenzen zu geben. Neben den sehr engen physischen M\u00e4rkten befeuern die Finanzfonds die Situation an den B\u00f6rsen noch zus\u00e4tzlich.<\/p>\n\n\n\n Weitere Faktoren treiben die Preise an den internationalen Getreidem\u00e4rkten nach oben: Hitzewellen w\u00e4hrend der Vegetationsperiode verursachten schlechte Ernten in den USA und Kanada. Die Ernten in Russland, der Ukraine und Osteuropa blieben ebenfalls unter den Erwartungen, zus\u00e4tzlich bestehen Exportbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr Getreide aus Russland. Die Weltgetreidebest\u00e4nde mussten nach unten korrigiert werden.<\/p>\n\n\n\n Eine gute Getreideernte auf der S\u00fcdhalbkugel, wie zum Beispiel in S\u00fcdafrika,<\/a> ist daher dringend n\u00f6tig, um die M\u00e4rkte nicht weiter aus den Fugen zu bringen und f\u00fcr einen weltweiten Ausgleich zu sorgen.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n Sowohl die Preise auf dem gesamten Getreidemarkt<\/a>, aber speziell auch auf dem Braugerstenmarkt f\u00fcr die Ernte 2022, befinden sich auf einem ungewohnten, enorm hohen Niveau. Betrachtet man aber den Preisabschlag zur Ernte 2021, ist dies eine durchaus attraktive Preissituation.<\/p>\n\n\n\n Positiv ist sicher, dass die Braugerste sich gegen\u00fcber den anderen Fr\u00fcchten wieder behaupten kann. Im Vergleich zum Preisgef\u00fcge der anderen Getreidearten kann sich die Braugerste aber nicht entscheidend absetzen. Besonders unter dem Aspekt, dass der Anbau von Braugerste aus Sicht der Landwirtschaft mit erheblich mehr Risiko verbunden ist als der Anbau anderer Getreidearten. Die Erfahrung lehrt uns au\u00dferdem, dass es immer schwerer ist, eine verloren gegangene Fl\u00e4che wieder zur\u00fcckzuholen, als eine Fl\u00e4che an andere Fr\u00fcchte abzugeben.<\/p>\n\n\n\n Die Agrarfl\u00e4che in der EU geht stetig zur\u00fcck. Der \u00d6kogetreideanbau soll auf 30 Prozent Marktanteil gesteigert werden \u2013 bei einem Minderertrag vom \u00d6kogetreideanbau im Vergleich zum konventionellen Anbau von ca. 40 Prozent. Die EU-Agrarpolitik schr\u00e4nkt den Pflanzenschutz und die D\u00fcngung immer mehr ein \u2013 Minderertrag ist auch hier die Folge. Egal, ob dieser Weg als positiv oder negativ betrachtet wird \u2013 Fakt ist, dass wir langfristig durch diese Ma\u00dfnahmen einen geringeren Ertrag und dadurch eine geringere Erntemenge in der EU bekommen werden. Die EU wird perspektivisch eine maximal ausgeglichene Getreidebilanz aufweisen und als Getreideexporteur wegfallen.<\/p>\n\n\n\n Die Landwirtschaft hat eine Vielzahl an Alternativen f\u00fcr den Anbau von Braugerste und ist nur durch die Fruchtfolge oder Witterungsbedingungen gezwungen, ihre Anbauplanung anzupassen. Ansonsten wird die Landwirtschaft den preislich attraktivsten Weg mit dem geringsten Risiko w\u00e4hlen. Daf\u00fcr ist die Braugerste derzeit sicher nicht bekannt. Es wird also besonderer Anstrengungen bed\u00fcrfen, den Anbau von Braugerste wieder in der Landwirtschaft zu platzieren; besonders, wenn wir die Importquote von Braugerste f\u00fcr Deutschland senken wollen. Nur so erhalten wir wieder einen direkteren Einfluss auf die von unseren Brauereien gew\u00fcnschten Sorten und Qualit\u00e4ten<\/a>. Es bedarf einer Kraftanstrengung vom Halm zum Glas, um die Braugerste wieder dort zu platzieren, wo sie hingeh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n 1. https:\/\/www.bmel.de\/DE\/themen\/landwirtschaft\/pflanzenbau\/ackerbau\/ernte2021.html<\/a> (abgerufen am 15.11.2021)<\/p>\n\n\n\n 2. Erntebericht 2021 \u2013 Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft https:\/\/www.bmel.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/_Landwirtschaft\/Pflanzenbau\/Ernte-Bericht\/ernte-2021.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n 3. https:\/\/www.agrarzeitung.de\/markt\/markt-news\/ernteschaetzung-frankreich-setzt-rotstift-an-97855<\/a> (abgerufen am 15.11.2021)<\/p>\n\n\n\n Sie m\u00f6chten sich mit einem internationalen Fachpublikum \u00fcber die Entwicklungen der Getr\u00e4nkeindustrie austauschen? Dann laden wir Sie herzlich ein, an der n\u00e4chsten drinktec<\/a> vom 12. bis 16. September 2022 in M\u00fcnchen teilzunehmen.<\/p>\n\n\n\n Dieser Artikel ist powered by BRAUWELT<\/a>.<\/p>\nDas Jahr 2021: Extreme Witterungsverh\u00e4ltnisse, volatile Getreidem\u00e4rkte & steigende Getreidepreise<\/h2>\n\n\n\n
Witterung, Wachstum und Ernteverlauf<\/h3>\n\n\n\n
Getreide und Braugerste in Deutschland 2021<\/h3>\n\n\n\n

Getreide und Braugerste in Europa 2021<\/h3>\n\n\n\n
Versorgungsbilanz f\u00fcr Braugerste: Bestenfalls knapp<\/h3>\n\n\n\n
Finanzfonds sorgen f\u00fcr zus\u00e4tzliches Feuer<\/h3>\n\n\n\n
Getreideernte 2021 auf der Nordhalbkugel<\/h3>\n\n\n\n

Ein Ausblick f\u00fcr 2022 im Getreideanbau<\/h2>\n\n\n\n
Die Situation rei\u00dft den Getreidemarkt 2022 mit sich<\/h3>\n\n\n\n
Ungewisse Perspektiven f\u00fcr den Getreideanbau<\/h3>\n\n\n\n
Besondere Anstrengungen f\u00fcr den Braugerste-Anbau n\u00f6tig<\/h3>\n\n\n\n
Quellen<\/h4>\n\n\n\n
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