{"id":7440,"date":"2020-08-12T15:59:09","date_gmt":"2020-08-12T13:59:09","guid":{"rendered":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/?p=7440"},"modified":"2021-02-24T14:59:42","modified_gmt":"2021-02-24T13:59:42","slug":"wie-sich-der-klimawandel-auf-den-weinbau-auswirkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/wein\/wie-sich-der-klimawandel-auf-den-weinbau-auswirkt\/","title":{"rendered":"Wie sich der Klimawandel auf den Weinbau auswirkt"},"content":{"rendered":"\n

Unwetter,\nD\u00fcrreperioden, Waldbr\u00e4nde: Der Klimawandel h\u00e4lt Einzug in fast alle\nLebensbereiche \u2013 und macht auch vor dem Weinanbau keinen Halt. Winzer m\u00fcssen\nsich auf neue Bedingungen einstellen, denn Ver\u00e4nderungen von Klima und\nWitterungen haben direkten Einfluss auf die in den Weinbauparzellen gepflanzten\nReben. Das zieht teils schwerwiegende Folgen nach sich.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die direkten Auswirkungen der Erderw\u00e4rmung sind nicht nur messbar und teilweise sichtbar, sondern f\u00fcr uns Menschen auch sp\u00fcr- und erlebbar. Gase in der Luft oder eine ver\u00e4nderte Zusammensetzung der Atmosph\u00e4re nehmen wir im Alltag meist nicht wahr, die ganzj\u00e4hrig steigenden Temperaturen, vermehrter Starkregen einerseits und extreme Trockenheit andererseits, bleiben uns aber nicht verborgen \u2013 und wirken sich auch auf den Weinbau aus<\/a>. <\/p>\n\n\n\n

Weinanbau-Gebiete: das sind die Folgen<\/h2>\n\n\n\n

All diese Ver\u00e4nderungen haben f\u00fcr den Weinbau zum Teil kurz-, in jedem Fall jedoch mittel- und langfristig gesehen, enormen Einfluss. Heftige Starkregenf\u00e4lle f\u00fchren beispielsweise in Hang- oder Steillagen<\/a> zu Abschwemmungen, Bodenerosion oder metertiefen Gr\u00e4ben zwischen den Rebzeilen. Ungew\u00f6hnlich hohe Temperaturen von \u00fcber 40 Grad Celsius und ungehinderter Sonnenschein k\u00f6nnen hingegen zu Sonnenbrand und Trockensch\u00e4den an Bl\u00e4ttern, Trauben und Beeren f\u00fchren und erhebliche Sch\u00e4den verursachen. Dazu hatte das Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) gemeinsam mit dem Julius-K\u00fchn-Institut und dem Deutschen Wetterdienst 2015 eine eigene Studie zu \u201eAgrarrelevante Extremwetterlagen und M\u00f6glichkeiten von Risikomanagementsystemen<\/a>\u201c publiziert. W\u00e4hrend die Folgen des Klimawandels sich langfristig auswirken, k\u00f6nnen kurzfristige extreme Wetterlagen wie \u201eHitze, D\u00fcrre, Sturm, \u00dcberschwemmungen, Hagel oder Frost der Land- und Forstwirtschaft erheblichen Schaden zuf\u00fcgen\u201c, berichtet die Studie.<\/p>\n\n\n\n

Eignung und Abgrenzung des Rebgel\u00e4ndes<\/h2>\n\n\n\n
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Die heutigen\nWeinbaugebiete beziehungsweise Weinlandschaften bestehen teils seit Jahrtausenden.\nDie Griechen, und sp\u00e4ter die R\u00f6mer, brachten den Weinbau nach Italien und\nverbreiteten die Reben von dort in ganz Europa. Seit jener Zeit werden Reben unter\nanderem in der franz\u00f6sischen Champagne, an der Mosel, im Rheintal und genauso\nan der Donau, im portugiesischen Duro-Tal oder auf der iberischen Hochebene La\nMancha angebaut. <\/p>\n\n\n\n

Weinbaugebiete\nsind meist historisch gewachsen und die jeweiligen Regionen wurden \u2013 im Zuge\nvon wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umst\u00e4nden \u2013 als Weinberge\nabgegrenzt. Hierzu wurde \u00fcber die Jahrhunderte ein ganzes Rechtssystem, das\nheute in Form gesch\u00fctzter Weinbergslagen und Gebiete sowie eines ausgekl\u00fcgelten\nAnbau- und Wiederbepflanzungssystem besteht, als rechtlicher \u00dcberbau geschaffen.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n

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F\u00fcr Aufsehen in der Weinbranche sorgte Anfang diesen Jahres eine Studie der University of British Columbia, Kanada. Diese schlussfolgerte, dass eine durchschnittliche Steigerung der Temperatur von weltweit 2 Grad Celsius einen Verlust von \u00fcber 50 Prozent der vorhandenen Weinbaufl\u00e4chen bedeuten w\u00fcrde. Bei einem weltweiten Temperatur-Anstieg von 4 Prozent, w\u00fcrde sich der Verlust an derzeitiger Fl\u00e4che auf \u00fcber 75 Prozent belaufen.      <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

Anpflanzungen\nvon Keltertraubensorten d\u00fcrfen etwa nur auf Fl\u00e4chen vorgenommen werden, die f\u00fcr\nden Weinanbau geeignet sind. Das Klima des Standortes spielt, neben\nHangrichtung und Hangneigung, Horizontabschirmung, Windoffenheit,\nKaltluftgef\u00e4hrdung und geeigneten Bodenverh\u00e4ltnissen, eine entscheidende Rolle,\nob in einer Region Reben gepflanzt werden d\u00fcrfen. Alte, bestehende Weinberge stehen\nau\u00dferdem unter Bestandsschutz. <\/p>\n\n\n\n

Vor dem\nHintergrund des anhaltenden Klimawandels steht der bisherige Weinbau mehr oder\nweniger zur Disposition. Immer h\u00e4ufiger stellt sich die Frage, ob der Weinbau\nin den derzeitigen Gebieten und in der bisherigen Art und Weise weiter\nbetrieben werden kann. Dabei muss man zun\u00e4chst einmal drei grundlegende\nBegriffe auseinanderhalten, um dem Ph\u00e4nomen \u201eKlima\u201c n\u00e4her zu kommen.<\/p>\n\n\n\n

Der Huglin-Index<\/h2>\n\n\n\n

Da die Temperatur und insbesondere die mittlere Tagestemperatur eine der zentralen Kenngr\u00f6\u00dfen f\u00fcr das Klima darstellt und ganz entscheidende Hinweise gibt, welche Pflanzen und Arten wo und wie angebaut und kultiviert werden k\u00f6nnen, kommt der Auswahl geeigneter Rebsorten f\u00fcr unterschiedliche Temperaturbereiche eine entscheidende Rolle zu. Eines der bekanntesten Verfahren, die Eignung von Weinbauregionen f\u00fcr verschiedene Rebsorten entsprechend ihrer Temperaturvertr\u00e4glichkeit zu beurteilen, ist der sogenannte Huglin-Index<\/a>. Der Index errechnet sich aus dem t\u00e4glichen Temperaturmittel und dem Temperaturmaximum f\u00fcr den Zeitraum 1. April bis 30. September. <\/p>\n\n\n\n

Ein Standort, der einen Wert (Huglin-Index) unter 1500 im langj\u00e4hrigen Mittel aufweist, gilt als ungeeignet f\u00fcr die Temperaturanspr\u00fcche von Reben (siehe Tabelle unten). Im Bereich dar\u00fcber, also von 1500 bis 1600 Index-Punkten, k\u00f6nnen Rebsorten mit verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig geringen Anspr\u00fcchen, wie M\u00fcller-Thurgau, Kerner oder Blauer Portugieser, angebaut werden. Am anderen Ende der Skala stehen w\u00e4rmeliebende Rebsorten wie Grenache, Syrah, Zinfandel, Carignan oder Merlot. Generell sind Rotweinsorten w\u00e4rmevertr\u00e4glicher und Wei\u00dfweine eher f\u00fcr k\u00fchlere Regionen geeignet.<\/p>\n\n\n\n

Huglin-Index H<\/td>Ausgew\u00e4hlte anbauw\u00fcrdige Rebsorten<\/td><\/tr>
H < 1500 <\/td>kein Anbau empfohlen<\/td><\/tr>
1500 < H < 1600<\/td>M\u00fcller-Thurgau<\/td><\/tr>
1600 < H < 1700<\/td>Pinot blanc, Gamay noir<\/td><\/tr>
1700 < H < 1800<\/td>Riesling, Chardonnay, Sylvaner, Sauvignon blanc, Pinot noir<\/td><\/tr>
1800 < H < 1900<\/td>Cabernet franc<\/td><\/tr>
1900 < H < 2000<\/td>Chinon blanc, Cabernet Sauvignon, Merlot<\/td><\/tr>
2000 < H < 2100 <\/td>Ugni blanc<\/td><\/tr>
2100 < H < 2200<\/td>Grenache, Syrah<\/td><\/tr>
2200 < H < 2300<\/td>Carignan<\/td><\/tr>
2300 < H < 2400<\/td>Aramon<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n

Tabelle: Huglin-Index ausgew\u00e4hlter Rebsorten (nach Hoppmann, 2010).<\/em><\/p>\n\n\n\n

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\u00a9 pexels \/ Pixabay for Pexels <\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n
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Bisher hat sich im Weinbau, zumindest was den Anbau der traditionellen Rebsorten betrifft, noch wenig ver\u00e4ndert. So ist Riesling weiterhin die wichtigste Rebsorte in Deutschland, Gr\u00fcner Veltliner in \u00d6sterreich zu Hause, Sangiovese in Italien und Cabernet Sauvignon die wichtigste Rebsorte in Frankreich. Merlot, Grenache, Syrah, Carignan oder Tempranillo gelten als die wichtigsten Rebsorten in den s\u00fcdlichen Mittelmeerregionen Frankreichs, Italiens und Spaniens. <\/p>\n\n\n\n

Die Temperaturzonen schieben sich jedoch immer weiter nordw\u00e4rts, was die berechtigte Frage aufwirft, ob sich der Weinbau in Europa zuk\u00fcnftig in weitaus n\u00f6rdlicheren Regionen ansiedelt und S\u00fcdeuropa schon bald nicht mehr f\u00fcr Weinbau geeignet sein wird.   <\/p>\n\n\n\n

Neben der Standort-Wanderung\ndes Weinbaus gen Norden oder auch die Bergh\u00e4nge hinauf in k\u00fchlere\nTemperaturbereiche, wie es heute schon im Trentino oder in S\u00fcdtirol sichtbar\nist, w\u00fcrde sich auch die Idee anbieten, die derzeit vorhandenen Rebsorten durch\nandere hitzeresistentere Rebsorten zu ersetzen. <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

Ausblick: Umstieg auf andere Rebsorten w\u00e4re eine Option<\/h2>\n\n\n\n

Viele\nWei\u00dfweinregionen k\u00f6nnten auf Rotweine umsteigen und heutige Rotweinregionen hingegen\nw\u00e4rmeliebendere Sorten anpflanzen. <\/p>\n\n\n\n

Damit lie\u00dfe sich der Fl\u00e4chenverlust m\u00f6glicherweise einschr\u00e4nken, aber nicht vollends stoppen. Au\u00dferdem bleibt vorerst offen, ob die mehr produzierten Rotweine \u00fcberhaupt K\u00e4ufer und Konsumenten f\u00e4nden. Auch bei der Z\u00fcchtung neuer, hitzebest\u00e4ndigeren Rebsorten<\/a>, l\u00e4sst sich die Kauflust und Nachfrage nicht pauschal beantworten. <\/p>\n\n\n\n

Erfolgversprechender\nerscheint die Verwendung von Unterlagreben, die sp\u00e4treifender und\ntrockenheitsresistenter sind. Die bekannten Rebsorten und die traditionellen\nWeinstile k\u00f6nnten weiterhin produziert und vermarktet werden. <\/p>\n\n\n\n

Noch besser als alle diese Strategien und L\u00f6sungen w\u00e4re allerdings eine Reduzierung des globalen Temperaturanstiegs und eine wirksame Verringerung klimasch\u00e4dlicher Emissionen<\/a>.<\/p>\n\n\n\n

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