{"id":6884,"date":"2020-02-14T16:04:56","date_gmt":"2020-02-14T15:04:56","guid":{"rendered":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/?p=6884"},"modified":"2020-02-14T16:04:57","modified_gmt":"2020-02-14T15:04:57","slug":"deutsche-trinkweinbilanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/wein\/deutsche-trinkweinbilanz\/","title":{"rendered":"Ein Schoppen weniger \u2013 deutsche Trinkweinbilanz 2019"},"content":{"rendered":"\n

Allj\u00e4hrlich stellt der Deutsche Weinbauverband auf Basis amtlicher Statistiken zum Jahresanfang eine Trinkweinbilanz f\u00fcr das abgelaufene Jahr vor. Sie ist die einzige systematisch erstellte Weinmarktstudie, die unabh\u00e4ngig Auskunft \u00fcber den gesamten Weinabsatz im Inland gibt \u2013 vom Direktabsatz an den Endverbraucher \u00fcber den Weinverkauf im Fach-, Lebensmittel- und Versandhandel bis hin zur Gastronomie.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

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Die Konjunktur und internationale Krisen zeigen in der Trinkweinbilanz ihre Wirkung. Ganz spurlos gehen politischen Krisen, die Klimadebatte und die konjunkturelle Achterbahnfahrten in der Welt offensichtlich nicht am Weinkonsum vor\u00fcber. Deutschland befindet sich angesichts einer ungetr\u00fcbten Binnenkonjunktur und sprudelnder Steuer\u00fcbersch\u00fcsse zwar in einer vergleichsweise guten wirtschaftlichen Situation, doch so richtig Lust aufs Feiern und Konsumieren scheinen die Deutschen derzeit nicht zu haben. \u201eVer\u00e4ndernde Ern\u00e4hrungsgewohnheiten, der demographische Wandel sowie klimawandelbedingte Auswirkungen haben auf die aktuelle Trinkweinbilanz einen deutlichen Einfluss\u201c, kommentieren die Verantwortlichen des Deutschen Weinbauverbands die Entwicklung des Absatzes von Wein.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n

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\"Weingl\u00e4ser
\u00a9 Pixabay \/ User: Skitterphoto <\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

Hei\u00dfe Sommer d\u00e4mpfen Weinabsatz<\/h2>\n\n\n\n

Zwei Effekte, n\u00e4mlich der Klimawandel mit seinen unmittelbar sp\u00fcrbaren Auswirkungen auf das Wetter und das Bev\u00f6lkerungswachstum, d\u00fcrften wohl die gr\u00f6\u00dften unmittelbaren Einfl\u00fcsse auf den Weinabsatz haben. Der Anstieg der Durchschnittstemperatur von rund einem Grad Celsius in den letzten 50 Jahren sorgt zumindest bei beobachtbaren Wetterph\u00e4nomen f\u00fcr sp\u00fcrbare Ver\u00e4nderung. Auf den Konsum von Getr\u00e4nken beziehungsweise von Weinen d\u00fcrften sie unmittelbaren Einfluss haben. Der Weinkonsum kommt in den hei\u00dfen Sommermonaten offensichtlich zum Erliegen. Rotweine bekommen diesen D\u00e4mpfer wohl st\u00e4rker zu sp\u00fcren als Wei\u00df- und Ros\u00e9weine<\/a>. Mineralwasser und andere Durstl\u00f6scher haben Konjunktur, alkoholhaltige Getr\u00e4nke sind in hei\u00dfen Sommern offenbar weniger gefragt, wie die Erfahrungen vieler H\u00e4ndler in den vergangenen beiden Jahren zeigen. \u201eDas ver\u00e4nderte Konsumverhalten in den Sommermonaten hatte mit Sicherheit Einfluss auf die Trinkweinbilanz. Insbesondere der Absatz von Rotwein war in diesen Monaten schwach\u201c, gab ein T\u00fcbinger Weinfachh\u00e4ndler seine Erfahrungen wieder. Im Wirtschaftsjahr 2018\/2019, das vom 1. August 2018 bis 31. Juli 2019 reicht, wurden auf dem deutschen Weinmarkt insgesamt nur 19,45 Millionen Hektoliter Still- und Schaumweine abgesetzt. Den Daten der Trinkweinbilanz folgend lag der Gesamtabsatz damit um 1,5 Prozent niedriger als im Vergleichszeitraum der Vorperiode (2017\/2018), was einem R\u00fcckgang von 0,3 Millionen Hektolitern entspricht. <\/p>\n\n\n\n

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\"Diagramm
\u00a9 Deutscher Weinbauverband e.V.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n
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Auf den einzelnen Bundesb\u00fcrger umgerechnet entspricht das einem durchschnittlichen Still- und Schaumweinkonsum von 23,4 Liter pro Person im Jahr, davon sind 8,7 Liter inl\u00e4ndische Stillweine, 11,4 Liter ausl\u00e4ndische Stillweine und 3,3 Liter Schaumweine<\/a>. \u201eDer Konsum bewegt sich damit immer noch im guten europ\u00e4ischen Mittelma\u00df. Es h\u00e4tte schlimmer kommen k\u00f6nnen\u201c, meinen viele Marktbeobachter. Von einem regelrechten Einbruch des Verbrauchs kann keine Rede sein. Einiges ist auch auf statistische Effekte zur\u00fcck zu f\u00fchren, da die zugrunde gelegte Bev\u00f6lkerungszahl in Deutschland weiter zugenommen hat und jetzt auf 83 Millionen Einwohner angestiegen ist. Grunds\u00e4tzlich l\u00e4sst sich eine noch akzeptable Trinkweinbilanz 2018\/2019 ziehen. <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

Auf und Ab im Weinmarkt<\/h2>\n\n\n\n

Wie ist der Weinmarkt in Deutschland nun zu bewerten? Das Volumen im Wirtschaftsjahr 2018\/2019 lag mit den errechneten 19,45 Millionen Hektolitern unter der langj\u00e4hrig gehaltenen 20-Millionen-Hektoliter-Grenze. Ist das schlimm? Verlieren die deutschen Konsumenten die Lust auf Wein? Es besteht kein Grund zur Panik, wenn man die Zahlen etwas genauer betrachtet: Die erste F\u00fcnf-Monats-Periode der Trinkweinbilanz 2018\/2019 wurde ja noch von dem europaweit kleinen Jahrgang 2017<\/a> bestritten. <\/p>\n\n\n\n

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Die Preise waren auf Basis des Jahrgangs ordentlich in die H\u00f6he geklettert und der Handel musste, ob er wollte oder nicht, das Preisniveau anheben. Manche Kategorie fiel mangels Masse ganz durchs Raster und fand sich nicht mehr in den Regalen des Lebensmittelhandels, was den Absatz sp\u00fcrbar senkte. In der darauffolgenden Sieben-Monats-Periode in 2019 holte sich der Handel St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck zur\u00fcck, was er 2018 gegeben hatte und passte die Preise wieder nach unten an. Damit kam der Absatz wieder st\u00e4rker ins Laufen, wie auch aus dem Lebensmittelhandel berichtet wird, der mit dem Absatz in der zweiten Jahresh\u00e4lfte nicht unzufrieden war.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n

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Die Entwicklung des internationalen Weinkonsums<\/a> der letzten 20 Jahre zeigt ein gemischtes Bild: In Deutschland pendelt die Zahl der konsumierten Liter konstant um die 20 Millionen Hektoliter-Marke. Dagegen hat sich in den USA der Weinkonsum um mehr als ein Drittel erh\u00f6ht und gipfelt 2018 in 33 Millionen Hektolitern. In Frankreich und Italien ist der Weinkonsum in diesem Zeitraum um mehr als ein Drittel zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

Der gro\u00dfe Weinjahrgang 2018 ver\u00e4ndert die Trinkweinbilanz<\/h2>\n\n\n\n

Mit dem 18er Jahrgang<\/a>, der erst Anfang 2019 in den Verkauf kam, stiegen die Zahlen der Qualit\u00e4tsweinpr\u00fcfung<\/a> in jedem Fall wieder kr\u00e4ftig an. Bis Ende 2019 kletterte die gepr\u00fcfte Menge, die man mit der vermarkteten Menge in etwa gleichsetzen kann, wieder auf 5,03 Millionen Hektoliter in Rheinland-Pfalz an, das als gr\u00f6\u00dftes weinbautreibendes Bundesland bestimmend f\u00fcr den Weinmarkt in Deutschland ist. \u00dcberproportional konnten die Weing\u00fcter in 2019 ihre Anstellungen zur Qualit\u00e4tsweinpr\u00fcfung im zweistelligen Prozentbereich steigern und auch die Winzergenossenschaften und Erzeugergemeinschaften legten mit plus 7,5 Prozent kr\u00e4ftig zu. Insgesamt kletterte die Pr\u00fcfmenge in 2019 um 5,3 Prozent und erreicht damit wieder das langj\u00e4hrige Niveau. <\/p>\n\n\n\n

Deutsche Weine ziehen sich, sofern die Verf\u00fcgbarkeit gegeben ist, absatzm\u00e4\u00dfig also ganz gut aus der Aff\u00e4re. H\u00e4rter d\u00fcrfte es dagegen die Auslandsweine getroffen haben. Der Import ausl\u00e4ndischer Weine lag das ganze Jahr 2019 deutlich unter dem Niveau der Vorjahre. Erst zum Ende des Jahres scheint sich der Import wieder zu beleben, wie aktuelle Zahlen der Einfuhrstatistik zeigen. <\/p>\n\n\n\n

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\"Weinladen
\u00a9 Weinlandschaft im LEH_Hermann Pilz<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n
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Das sich etwas ganz Entscheidendes am Weinmarkt ver\u00e4ndert hat, wird mit einem Blick auf die Importvolumen der einzelnen Weinkategorien deutlich. Qualit\u00e4tsweine, das hei\u00dft Weine, die das EU-G\u00fctezeichen<\/a> \u201emit gesch\u00fctztem Ursprung\u201c (g.U.) oder \u201emit gesch\u00fctzter geografischer Angabe\u201c (g.g.A.) tragen, haben nur noch einen Anteil von 17 Prozent an den Importen, die sogenannten anderen Weine halten inzwischen einen Anteil von 83 Prozent und stellen mit knapp 11 Millionen Hektolitern das Gros der Importe. Dahinter verbirgt sich die Entwicklung, dass Weinkategorien wie Rioja, Bordeaux, Chianti und andere, die auch als NoName-Produkte das Angebot bei den gro\u00dfen Discounterketten und im \u00fcbrigen Lebensmittelhandel pr\u00e4gen, weniger gefragt sind als fr\u00fcher. Die Entwicklung der Trinkweinbilanz als Absatzbarometer macht deutlich, dass die europ\u00e4ischen Regionen an ihren Weinprofilen feilen und mehr Geld in Qualit\u00e4t und Marketing investieren.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n