{"id":6695,"date":"2020-01-21T11:31:04","date_gmt":"2020-01-21T10:31:04","guid":{"rendered":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/?p=6695"},"modified":"2020-01-21T14:54:08","modified_gmt":"2020-01-21T13:54:08","slug":"weinlese-2019-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/wein\/weinlese-2019-in-europa\/","title":{"rendered":"Weinlese 2019 in Europa"},"content":{"rendered":"\n
Die EU-Kommission, das Internationale Amt f\u00fcr Rebe und Wein (OIV) und weitere internationale Institute, die mit der Erfassung der j\u00e4hrlichen Weinlese in Europa und der Welt beauftragt sind, rechnen f\u00fcr 2019 mit einer Weinernte in der Europ\u00e4ischen Union von 156 bis 160 Millionen Hektoliter \u2013 das ist im Vergleich zum Vorjahr mit \u00fcber 190 Millionen Hektolitern deutlich weniger. Die Weinqualit\u00e4ten werden durchwegs als gut und besser als 2018 beurteilt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n Mit 161 Millionen Hektolitern, die die EU-Kommission entsprechend EU-Verordnung 1308\/2012 als Ergebnis der Weinmosternte 2019 aktuell ver\u00f6ffentlichte, liegt die Menge etwas unter dem Durchschnitt der Ernten in der Europ\u00e4ischen Union von 168 Millionen Hektolitern in den letzten f\u00fcnf Jahren (Stand 20. Oktober 2019). Zur Erinnerung: 2017<\/a> lag die europaweite Ernte deutlich niedriger (bei 146 Millionen Hektolitern) und 2018 bei rund 190 Millionen Litern<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n F\u00fcr die\nkleineren Weinerzeugerl\u00e4nder wie Portugal (6,7 Mill. hl, +4%), Rum\u00e4nien (4,9\nMill. hl, +4%), Ungarn (3,2 Mill. hl, +6%), \u00d6sterreich (2,6 Mill. hl, +15%)\nweist die EU-Kommission bis auf Griechenland \n(2 Mill. hl, -20%) meist gr\u00f6\u00dfere Ernten f\u00fcr 2019 im Vergleich zum\nf\u00fcnfj\u00e4hrigen Durchschnitt aus. <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n Solche Ernteschwankungen sind auf landwirtschaftlichen Rohwarenm\u00e4rkten eigentlich normal, aber in Zeiten einer industrialisierten Produktions- und Konsumwelt sorgen sie f\u00fcr Stress: Einerseits bei den Winzern und Erzeugerorganisationen wie Erzeugergemeinschaften, Genossenschaften und Weinhandelsagenturen und genauso auf der anderen Seite des Tisches bei Abf\u00fcllern, Kellereien und den Abnehmern im Lebensmittel- und Getr\u00e4nkefachhandel.<\/p>\n\n\n\n Meldungen, die Ernte 2019 in Europa sei um 15 bis 20 Prozent kleiner ausgefallen, sind richtig und nachvollziehbar, zugleich liefern sie einen falschen Eindruck, dass die Ernte 2019 den Bedarf nicht decken kann. Denn der Vergleich hinkt und entscheidend ist das mehrj\u00e4hrige Mittel der Ernten, aus der sich die Versorgung der Absatzm\u00e4rkte speist.<\/p>\n\n\n\n Wein ist angesichts eines seit Jahren weltweit stagnierenden Weinmarktes<\/a> gen\u00fcgend vorhanden, f\u00fcr gro\u00dfe Preisausschl\u00e4ge nach oben besteht deshalb kein Grund. Bei einzelnen Kategorien k\u00f6nnten Mehr- oder Mindermengen dennoch f\u00fcr gro\u00dfe Verwerfungen an den Fass- oder Bulkwein-M\u00e4rkten sorgen.<\/p>\n\n\n\n \u201eObwohl die K\u00e4ufer die Preise aus der neuen Ernte als viel zu hoch ansehen, muss man auch hier wieder relativieren. Nat\u00fcrlich ist ein Wei\u00dfwein heute mit ca. 35 Eurocent pro Liter fast 65 Prozent teurer als noch vor der Ernte, aber die Preise vor der Ernte waren mit fast nur noch 20 Eurocent pro Liter auf ein derartig niedriges Niveau gerutscht, dass niemand mehr etwas am Wein verdiente. Ein Preis von rund 35 Cent pro Liter entspricht dem Durchschnittspreis der letzten Jahre\u201c, skizziert Rudolf Beeck, Manger Europe & Asia vom spanischen Wein-Consultant \u201eSelect Wines\u201c aus Valencia, die derzeitige Marktlage im Bereich der Basis- und Grundweine. <\/p>\n\n\n\n Entscheidend f\u00fcr die Weinlese sind die drei gro\u00dfen Weinerzeugerl\u00e4nder: Italien mit rund 47,6, Frankreich mit 43,4 und i Spanien mit 38,1 Millionen Hektoliter (laut EU-Kommission). Inzwischen haben die einzelnen L\u00e4nder nochmal etwas kleinere Ernten nach gemeldet. Italienische Institutionen gaben zuletzt eine Ernte von rund 45 und spanische von 34 Millionen Hektolitern bekannt. Wie dem auch sei: Die drei L\u00e4nder stehen zusammen mit knapp 130 Millionen Hektolitern f\u00fcr rund 80 Prozent der Weinmostlese in Europa. <\/p>\n\n\n\n F\u00fcr viele Marktteilnehmer sind die globalen Zahlen jedoch nur eine Gr\u00f6\u00dfe unter vielen, entscheidender ist h\u00e4ufig, wie die Ernte in den einzelnen L\u00e4ndern und Regionen und wie die am Ende die Qualit\u00e4t ausgefallen ist. Wie alle anderen europ\u00e4ischen Weinerzeugerl\u00e4nder hatten auch die franz\u00f6sischen Winzer die extreme Hitze und fehlende Niederschl\u00e4ge im Sommer zu sp\u00fcren bekommen. Das f\u00f6rderte zum einen eine fr\u00fchere Reife im Vergleich zu fr\u00fcheren Jahrzehnten, zum anderen blieb der Weinbau durch die Trockenheit aber weitgehend von pilzlichen Erkrankungen und Sch\u00e4dlingsbefall<\/a> verschont. Frankreichs Ernte unterschreitet den mehrj\u00e4hrigen Durchschnitt um rund 4 bis 5 Prozent. Die Erzeuger und ihre Vertreter sprechen alles in allem von gesundem Traubenmaterial, das sehr gute Weinqualit\u00e4ten verspricht. <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n Italien f\u00e4hrt im Vergleich zum Vorjahr mit \u00fcber 47,6 Millionen Hektolitern ebenfalls eine um 15 Prozent kleinere Ernte ein, die allerdings laut EU-Zahlen nur 3 Prozent unter dem mehrj\u00e4hrigen Mittel von 49,1 Millionen Hektolitern liegen soll. Inzwischen wurden die Erntemenge nach unten auf etwa 44 bis 45 Millionen Hektoliter korrigiert. Italien bleibt damit 2019 der mengenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte Weinerzeuger. Auf den Norden vom Piemont im Westen bis Veneto und Friaul im Osten einschlie\u00dflich der Emilia Romagna entfallen rund 25,5 Millionen Hektoliter des Erntevolumens. Auf die Mitte mit Toskana, Marken, Umbrien, Abruzzen und Latium entfallen 7,4 Millionen Hektoliter und auf den S\u00fcden Italiens inklusive der Inseln Sizilien und Sardinien 13,1 Millionen Hektoliter. Die Qualit\u00e4t wird vom Oenologenverband Assoenologi als exzellent beurteilt. Die Moste verf\u00fcgen \u00fcber einen hohen Zuckergehalt bei gleichzeitig perfekter Balance zwischen pH-Wert und S\u00e4ure. <\/p>\n\n\n\n Eine durchwachsenes Vegetationsjahr durchlebten die Winzer und Weinerzeuger Spaniens. Nach einem extrem hei\u00dfen Sommer brachten im September sintflutartige, lokal sehr unterschiedliche Starkregen mit bis zu 300 Litern pro Quadratmetern \u00dcberflutungen und hierdurch bedingte Erntesch\u00e4den. Hauptbetroffen waren die Regionen im S\u00fcden von Andalusien, Almeria, Alicante, Murcia und Valencia bis zum s\u00fcd-\u00f6stlichen Teil von Castilla-La Mancha sowie Mallorca. Regionen, in denen sp\u00e4ter geerntet wurde, konnten die Trauben sogar noch etwas vom Regen partizipieren. Insgesamt f\u00e4llt die spanische Ernte deutlich kleiner aus, insbesondere Rotweine, berichten Marktbeobachter, d\u00fcrften knapper ausfallen. <\/p>\n\n\n\n F\u00fcr Deutschland weist die EU-Kommission eine Ernte von neun Millionen Hektolitern aus, was rund 40 Millionen Liter \u00fcber der von Weinbauverband und statistischem Bundesamt ausgewiesenen Erntevolumen von 8,6 Millionen Hektolitern liegen w\u00fcrde, die auf Sch\u00e4tzungen von Ende September beruhen. Man wird sehen, wer am Ende Recht hat. Die Ernte liegt damit leicht unter oder \u00fcber dem mehrj\u00e4hrigen Mittel von rund 8,9 Millionen Hektolitern. Mit einem Erntevolumen von 2,5 Millionen Hektolitern bleibt Rheinhessen gr\u00f6\u00dftes deutsches Anbaugebiet und erntet sogar ein klein bisschen mehr als im 10-j\u00e4hrigen Mittel. Die Pfalz als zweitgr\u00f6\u00dftes deutsches Weinbaugebiet liegt bei 2,2 Millionen Hektolitern und 2 Prozent unter dem mehrj\u00e4hrigen Durchschnitt. <\/p>\n<\/div>\n\n\n\n Deutlich kleiner f\u00e4llt die Ernte von den gr\u00f6\u00dferen deutschen Weinbaugebieten in W\u00fcrttemberg (920.000 Hektoliter und minus 10%) und Franken (375.000 Hektoliter und minus 15 %) aus. Baden mit 1,2 Millionen Hektolitern und der Rheingau mit 20,5 Millionen Litern liegen nur unwesentlich unter dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre.<\/p>\n\n\n\n Im Unterschied zu fast allen andern EU-L\u00e4ndern weist Deutschland entsprechend den geltenden gesetzlichen Regelungen fast seine gesamte Ernte als \u201eQualit\u00e4tswein<\/a>\u201c-geeignet aus. Auf EU-Ebene liegt dieser Prozentsatz weit niedriger und summiert sich auf rund 75 Millionen Hektolitern, was etwas weniger als der H\u00e4lfte der EU-Weinlese entspricht. Sogenannte \u201eIGP-Weine\u201c (Landweine) werden in einer Menge von 31 Millionen Hektoliter erzeugt und auf Weine ohne Herkunftsangabe und Grundweine entfallen zusammen rund 48 Millionen Hektoliter. <\/p>\n\n\n\nWeinernte in Europa<\/h2>\n\n\n\n

Italien bleibt Weinlese-Spitzenreiter <\/h2>\n\n\n\n
Deutsche Weinlese 2019 bleibt stabil<\/h2>\n\n\n\n

\n Land<\/strong>\n <\/td> \n Mittel 5 Jahre<\/strong>\n <\/td> \n Produktion Traubenmost 2019 <\/strong>\n <\/td><\/tr> <\/td> \n in 1.000 hl\n <\/td> \n in 1000 hl\n <\/td><\/tr> \n Bulgarien<\/strong>\n <\/td> \n 1.137\n <\/td> \n 895\n <\/td><\/tr> \n Deutschland<\/strong>\n <\/td> \n 8.953\n <\/td> \n 9.036\n <\/td><\/tr> \n Frankreich<\/strong>\n <\/td> \n 45.202\n <\/td> \n 43.356\n <\/td><\/tr> \n Griechenland<\/strong>\n <\/td> \n 2.506\n <\/td> \n 2.008\n <\/td><\/tr> \n Gro\u00dfbritannien<\/strong>\n <\/td> \n 32\n <\/td> \n .\n <\/td><\/tr> \n Italien<\/strong>\n <\/td> \n 49.088\n <\/td> \n 47.600\n <\/td><\/tr> \n Kroatien<\/strong>\n <\/td> \n 902\n <\/td> \n 737\n <\/td><\/tr> \n Luxemburg<\/strong>\n <\/td> \n 109\n <\/td> \n 60\n <\/td><\/tr> \n \u00d6sterreich<\/strong>\n <\/td> \n 2.292\n <\/td> \n 2.631\n <\/td><\/tr> \n Portugal<\/strong>\n <\/td> \n 6.413\n <\/td> \n 6.676\n <\/td><\/tr> \n Rum\u00e4nien<\/strong>\n <\/td> \n 4.097\n <\/td> \n 4.902\n <\/td><\/tr> \n Slowakien<\/strong>\n <\/td> \n 321\n <\/td> \n 319\n <\/td><\/tr> \n Sowenien<\/strong>\n <\/td> \n 629\n <\/td> \n 661\n <\/td><\/tr> \n Spanien<\/strong>\n <\/td> \n 42.886\n <\/td> \n 38.100\n <\/td><\/tr> \n Tschechische Republik<\/strong>\n <\/td> \n 664\n <\/td> \n 568\n <\/td><\/tr> \n Ungarn<\/strong>\n <\/td> \n 2.989\n <\/td> \n 3.168\n <\/td><\/tr> \n Zypern<\/strong>\n <\/td> \n 95\n <\/td> \n 126\n <\/td><\/tr> \n andere<\/strong>\n <\/td> \n 41\n <\/td> \n 8\n <\/td><\/tr> \n EU 28<\/strong>\n <\/td> \n 168.355\n <\/td> 160.900 <\/td><\/tr> Quelle: EU-Kommission vom 20.10.2019<\/td> <\/td> <\/td><\/tr><\/tbody><\/table>\n