{"id":6362,"date":"2019-10-25T15:31:10","date_gmt":"2019-10-25T13:31:10","guid":{"rendered":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/?p=6362"},"modified":"2019-10-25T15:31:10","modified_gmt":"2019-10-25T13:31:10","slug":"oekobilanz-von-getraenkeverpackungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/branchenuebergreifend\/oekobilanz-von-getraenkeverpackungen\/","title":{"rendered":"Aus welcher Getr\u00e4nkeverpackung w\u00fcrde Greta trinken?"},"content":{"rendered":"\n

Glas oder PET, Dose oder Karton, Einweg oder Mehrweg: In\nZeiten von \u201eFridays for Future\u201c r\u00fcckt auch die Frage nach der \u00f6kologischsten\nGetr\u00e4nkeverpackung immer st\u00e4rker in den Fokus. \u00dcber die \u201erichtige\u201c Antwort\nstreiten sich die Experten. <\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Frage nach \u00f6kologisch vorteilhaften Getr\u00e4nkeverpackungen<\/a> wird seit vielen Jahren lebhaft diskutiert. Angesichts von 9,5 Millionen Tonnen Plastikabf\u00e4llen, die j\u00e4hrlich in die Meere gelangen, hat die Debatte noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen \u2013 und wird zunehmend emotional gef\u00fchrt. Beinahe zum Hassobjekt ist dabei die PET-Flasche geworden, obwohl gerade in Deutschland \u2013 Dank dem gut funktionierenden Pfandsystem \u2013 praktisch niemals Flaschen im Ozean landen, nicht einmal die Einweggebinde. Denn laut einer Studie der Gesellschaft f\u00fcr Verpackungsmarktforschung<\/a> (GVM) vom vergangenen Jahr werden bereits 97 Prozent der pfandpflichtigen PET-Einwegflaschen recycelt.<\/p>\n\n\n\n

Und das ist nur ein Beispiel f\u00fcr den Mangel an Sachlichkeit,\nunter dem \u00fcber Getr\u00e4nkeverpackungen diskutiert wird. Dabei sind \u00d6kobilanzen\neigentlich nur mit k\u00fchlem Kopf zu studieren, denn sie befassen sich mit \u00e4u\u00dferst\nkomplexen Sachverhalten: Materialbedarf, Energieaufwand in der Produktion, beim\nTransport und beim Recycling und der Anteil von recyceltem Material in neuen\nFlaschen sind nur einige Parameter, die eine Rolle spielen. Deshalb sollte man\n\u201eeine bestimmte Verpackungsart nicht pauschal verteufeln\u201c, mahnt Benedikt\nKauertz, Themenleiter \u201eUmweltbewertung von Verpackungen\u201c beim Ifeu-Institut,\ndas sich auf Fragen rund um Umwelt und Nachhaltigkeit spezialisiert hat. Er\nhingegen nimmt in der \u00d6ffentlichkeit \u201eeine enorme Vereinfachung der\nSachverhalte\u201c wahr.<\/p>\n\n\n\n

Glas oder PET: Es kommt auf die Transportstrecke an<\/h2>\n\n\n\n
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N\u00fcchtern betrachtet stehen gerade die zunehmend verhassten PET-Flaschen \u00f6kobilanziell vergleichsweise gut da. Durch ihr niedriges Gewicht und die damit verbundenen CO2-Einsparungen beim Transport sind sie zumindest bei l\u00e4ngeren Distanzen \u00f6kologisch vorteilhafter als die viel schwereren Glasflaschen. In bestimmten Segmenten gilt dies nach neueren Erkenntnissen sogar f\u00fcr PET-Einweg gegen\u00fcber Glas-Mehrweg. Als vor \u00fcber zehn Jahren die letzte gro\u00dfe \u00d6kobilanz erstellt wurde, war dies Kauertz zufolge noch anders. Seitdem hei\u00dfe es in der \u00d6ffentlichkeit \u201eVorfahrt f\u00fcr Mehrweg\u201c, obwohl \u201ediese generalisierte Aussage\u201c heutigen Erkenntnissen nicht mehr standhalte. <\/p>\n<\/div>\n\n\n\n

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Bei\nGetr\u00e4nkeverpackungen vergleicht man die Umweltwirkungen \u2013 von der\nHerstellung \u00fcber die Verarbeitung bis hin zum Transport. Der Inhalt wird dabei\nnicht ber\u00fccksichtigt, die Verwertung jedoch schon. Im Vergleich stehen schlussendlich\ndie Kennzahlen verschiedener Wirkungskategorien, wie z.B. Energieverbrauch,\nTreibhausgasfreisetzung, Ressourcenbeanspruchung oder Versauerung. <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

Dabei gilt dies nicht nur f\u00fcr die laienhafte\nKonsumentenmeinung zu Getr\u00e4nkeverpackungen; vielmehr orientiert sich auch die\nPolitik weiterhin an den Daten von damals. Die Tatsache, dass Mehrweg\nhierzulande politisch gewollt sei, sei aber \u201enicht automatisch der Beleg f\u00fcr\ndie \u00f6kologische \u00dcberlegenheit dieses Konzepts in allen Bereichen\u201c, kritisiert\nauch Claudia Bierth, European Sustainability Manager beim Dosenhersteller und\ndrinktec-Aussteller Ball Packaging<\/em>.\nWenn man sich nicht an Fakten orientiere, sondern dar\u00fcber spreche, \u201ewie die\nWelt aus politischer Sicht sein sollte\u201c, m\u00fcsste man \u201edie normative\nBetrachtungsebene auch klar so benennen\u201c. Die banale Formel \u201eMehrweg ist gut\nund Einweg ist schlecht\u201c werde jedenfalls der komplexen Wirklichkeit nicht\ngerecht, meint Bierth.<\/p>\n\n\n\n

Die Dose ist deutlich \u00f6kologischer geworden<\/h2>\n\n\n\n

So steht auch die Dose heute \u00f6kologisch deutlich besser da\nals noch vor wenigen Jahren. Das geht aus einer aktuellen \u00d6kobilanz hervor, die\nder Verband der europ\u00e4ischen Hersteller von Metallverpackungen, Metal Packaging\nEurope, im Fr\u00fchjahr dieses Jahres vorgestellt hat. Im Vergleich zu Daten aus\ndem Jahr 2006 sei der CO2-Fu\u00dfabdruck im Durchschnitt um 31 Prozent verkleinert\nworden, hei\u00dft es. Gr\u00fcnde seien Verbesserungen in den Produktionsprozessen, eine\nReduzierung des Dosengewichts und eine Erh\u00f6hung der Recyclingquote. Aluminium\nk\u00f6nne immer wieder recycelt werden, ohne seine Materialeigenschaften zu\nverlieren. Daher seien Getr\u00e4nkedosen ein \u201eperfektes Produkt f\u00fcr die\nKreislaufwirtschaft\u201c.<\/p>\n\n\n\n

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Von sich reden gemacht hat k\u00fcrzlich auch eine weitere, bislang nur wenig \u2013 und dann vor allem f\u00fcr Saft und Milch \u2013 genutzte Getr\u00e4nkeverpackung: der Karton. In einer ebenfalls vom Ifeu-Institut erstellten \u00d6kobilanz schnitt er besser ab als PET-Einweg und genauso gut wie Glas-Mehrweg. Das Institut musste seine Anfang August pr\u00e4sentierten Ergebnisse allerdings Mitte September revidieren, da man durch ein Versehen zu hohe Transportdistanzen f\u00fcr Mehrweg zu Grunde gelegt hatte. <\/p>\n\n\n\n

Die Resultate werden vorerst nicht mehr weiterverbreitet. F\u00fcr die Vertreter der Mehrweg-Fraktion ist allerdings das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Die unhaltbare Studie sei nun einmal in der Welt, \u00e4rgert sich Dirk Reinsberg, gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Vorstand des Bundesverbands des Deutschen Getr\u00e4nkefachgro\u00dfhandels. Es werde schwierig sein, \u201edie fehlerhaften Ergebnisse wieder aus den K\u00f6pfen herauszubekommen\u201c. Dabei geht es in der Frage der Zukunftsf\u00e4higkeit des Mehrwegsystems f\u00fcr den Fachhandel tats\u00e4chlich ums Ganze; schlie\u00dflich leben gro\u00dfe Teile der Branche vom Verkauf von Lebensmitteln in Mehrweg-Getr\u00e4nkeverpackungen \u2013 inklusive ihrer Expertise in Sachen Leergutlogistik.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n

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\u00a9 Pixabay.de \/ User: Skeeze<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

Was wird aus \u201eVermeidung vor Verwertung\u201c?<\/h2>\n\n\n\n

Aktuell muss man sich jedoch \u00fcber das System wohl eher\nSorgen machen, denn der Mehrweganteil ist in den letzten Jahren kontinuierlich\ngesunken und liegt zurzeit bei nur noch 43 Prozent. Dabei gilt europaweit nach\nwie vor die Devise \u201eVermeidung vor Verwertung\u201c. Nach langen Jahren der\npolitischen Mahnungen hat der deutsche Gesetzgeber deshalb eine Mehrwegquote\nvon 70 Prozent in das Anfang 2019 in Kraft getretene Verpackungsgesetz\naufgenommen. Sie muss bis 2021 erreicht sein. Wie sie allerdings durchgesetzt\nwerden soll, bleibt vorerst offen. Zus\u00e4tzlich belastet die Zunahme von Individualflaschen\nmit Marken-Branding das System, die immer mehr Unternehmen als\nMarketinginstrument wertsch\u00e4tzen. Anders als die jahrzehntelang bew\u00e4hrten\nPoolflaschen m\u00fcssen diese individuellen Getr\u00e4nkeverpackungen zur\nWiederbef\u00fcllung zu ihrem Hersteller zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Womit sich die\nVerh\u00e4ltnisse weiter zugunsten der Einwegbranche verschieben.<\/p>\n\n\n\n

Neben der eigentlichen Frage, welches Gebinde f\u00fcr die Umwelt\nam besten ist, geht es auch hier, wie so oft, am Ende um wirtschaftliche\nInteressen \u2013 der Getr\u00e4nkeabf\u00fcller, der Verpackungshersteller und nicht zuletzt des\nHandels. Wie die \u201eGetr\u00e4nkeverpackung der Zukunft\u201c aussieht, h\u00e4ngt jetzt wohl\nvor allem davon ab, wie die Politik das Thema k\u00fcnftig behandelt. <\/p>\n\n\n\n

Vielfalt an Getr\u00e4nkeverpackungen auf der drinktec 2021<\/h2>\n\n\n\n

Glas oder PET, Dose oder Karton, Einweg oder Mehrweg: Wer sich f\u00fcr die technische Seite von Getr\u00e4nkeverpackungen interessiert, findet auf der Weltleitmesse drinktec das richtige Forum. Dort pr\u00e4sentieren Aussteller aus aller Welt ihre L\u00f6sungen. Die n\u00e4chste drinktec findet vom 13. bis 17. September 2021 auf dem Messegel\u00e4nde in M\u00fcnchen statt. Sie haben innovative Ans\u00e4tze f\u00fcr nachhaltige Getr\u00e4nkeverpackungen, die Sie einem internationalen Publikum vorstellen m\u00f6chten? Dann seien Sie bei der n\u00e4chsten drinktec auch mit dabei.<\/a><\/p>\n