{"id":6183,"date":"2019-09-24T17:26:43","date_gmt":"2019-09-24T15:26:43","guid":{"rendered":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/?p=6183"},"modified":"2019-09-24T17:26:44","modified_gmt":"2019-09-24T15:26:44","slug":"mineralwasserbrunnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/alkoholfreie-getraenke\/mineralwasserbrunnen\/","title":{"rendered":"Mineralbrunnen am Pranger"},"content":{"rendered":"\n

Mineralwasser wird immer st\u00e4rker zum Politikum. Um das bis vor kurzem als v\u00f6llig \u201eunschuldig\u201c geltende Lebensmittel wird seit Monaten erbittert gestritten. Dabei geht es vor allem um die Frage der Nachhaltigkeit von Mineralbrunnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Aldi S\u00fcd will mit dem Thema \u201eWasser\u201c gro\u00df punkten: In der letzten Augustwoche warb der Discounter in seinem Prospekt auf zwei ganzen Seiten f\u00fcr sein Sprudlerger\u00e4t \u201eSodastar\u201c<\/a>. Im September soll dann das biozertifizierte \u201erieser Urwasser\u201c in 50 bis 70 Filialen im Angebot sein. Zur Einf\u00fchrung plant Aldi eine Marketingkampagne. Mit den Aktionen greift das Unternehmen zwei Trends auf, die gegens\u00e4tzlicher kaum sein k\u00f6nnten: einerseits den v\u00f6lligen Verzicht auf Mineral- zugunsten von Leitungswasser, andererseits die Stilisierung zum \u00f6kologisch vorbildlichen Lifestyle-Getr\u00e4nk. <\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr ordentlichen Wirbel sorgte Ende November letzten Jahres Bundesumweltministerin Svenja Schulze mit ihrem \u201e5-Punkte-Plan f\u00fcr weniger Plastik und mehr Recycling\u201c, indem sie den Kauf von Mineralwasser angesichts der guten Trinkwasserqualit\u00e4t in Deutschland als \u201eunn\u00f6tig\u201c bezeichnete. Dass die Versorgungsunternehmen indessen immer h\u00e4ufiger \u00fcber Probleme bei der Trinkwasseraufbereitung klagen, bleibt dabei schlichtweg unber\u00fccksichtigt. Dabei sind die Medien mit Berichten \u00fcber Nitrat, Medikamente, Mikroplastik und andere Verunreinigungen im Leitungswasser voll.<\/p>\n\n\n\n

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\n\nFast zeitgleich meldete sich auch das Europ\u00e4ische Parlament zu Wort \u2013 und forderte in seiner gerade \u00fcberarbeiteten EU-Trinkwasser-Richtlinie ganz klar die Verwendung von Leitungswasser, um Abfall und den Verbrauch von Plastik zu reduzieren. Angegriffen wurden dadurch nicht nur die Mineralbrunnen, die ihr Gesch\u00e4ftsmodell in Frage gestellt sahen, sondern auch Wirte, die aufgefordert wurden, ihren G\u00e4sten gratis oder gegen eine geringe Geb\u00fchr Leitungswasser anzubieten.\n\n<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n

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Laut der Studie „\u00d6kobilanz Trinkwasser – Mineralwasser“<\/a>, tr\u00e4gt der Konsum von Trinkwasser und Mineralwasser \u00fcberraschenderweise insgesamt nur einen kleinen Beitrag von weniger als 1 Prozent zu den gesamten Umweltbelastungen im Haushalt bei. Beim Warmwasservebrauch hingegen kann viel Heizenergie gespart werden. <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

Sodastream wirft Mineralbrunnen Verm\u00fcllung der Umwelt vor<\/h2>\n\n\n\n
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\"sodadtream\"
\u00a9 Sodastream<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n
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Doch die Angriffe kommen nicht nur aus der Politik. Eindeutig wirtschaftliche Interessen hat, allen voran, der Sprudler-Hersteller Sodastream, der \u2013 mit Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke als Werbebotschafter \u2013 aggressiv f\u00fcr den Verzicht auf Mineralwasser insbesondere aus Plastikflaschen wirbt und dabei die Mineralbrunnen immer wieder in Verbindung mit der Verm\u00fcllung der Weltmeere bringt. <\/p>\n\n\n\n

Partei hat k\u00fcrzlich auch die Stiftung Warentest ergriffen. In ihrem \u201eWassertest\u201c vom Juni dieses Jahres erreichte weniger als die H\u00e4lfte der stillen Mineralw\u00e4sser ein gutes Ergebnis. Bem\u00e4ngelt wurden \u201eunerw\u00fcnschte Keime\u201c sowie erh\u00f6hte Gehalte an \u201ekritischen Stoffen, Verunreinigungen aus Landwirtschaft und Industrie\u201c. <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

Der Mineralbrunnenverband VDM warf der Organisation daraufhin vor, \u201emit zweierlei Ma\u00df zu messen\u201c, da die Ergebnisse f\u00fcr beide Wasserarten nicht auf systematisch vergleichbaren Methoden basierten. Unter anderem sei Leitungswasser \u00fcberhaupt nicht hinsichtlich gesundheitlicher Parameter untersucht worden.<\/p>\n\n\n\n

Doch nicht nur dagegen wollen sich die Mineralbrunnen jetzt wehren. Aktuell reist eine Delegation des VDM mit dem Verbandsvorsitzenden Dr. Karl Tack durch Deutschland und spricht in allen Regionen mit Politikern und Journalisten, um der \u201epopulistischen Symbolpolitik\u201c des Bundesumweltministeriums etwas entgegenzusetzen, vor allem aber die Fakten geradezur\u00fccken. <\/p>\n\n\n\n

Unter anderem geht es dabei immer wieder um die irrige Annahme, PET-Flaschen aus Deutschland w\u00e4ren an der Verm\u00fcllung der Meere mit Plastik beteiligt, was aber dank dem funktionierenden Pfandsystem<\/a> und der hohen Recyclingquote nicht zutrifft. Vielmehr werden, laut einer Studie der Gesellschaft f\u00fcr Verpackungsmarktforschung (GVM) vom vergangenen Jahr, bereits 97 Prozent der pfandpflichtigen PET-Einwegflaschen recycelt.<\/p>\n\n\n\n

Immer mehr Konsumenten wollen Bio-Mineralwasser<\/h2>\n\n\n\n
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\n\nW\u00e4hrend gleichwohl immer mehr Konsumenten auf selbst gesprudeltes Leitungswasser umsteigen, w\u00e4chst andererseits, wie bei anderen Nahrungsmitteln auch, die Nachfrage nach Bioqualit\u00e4t \u2013 auch au\u00dferhalb der eingeschworenen \u00d6koszene. Trugen bislang eher kleine, regionale Brunnen das Siegel der Qualit\u00e4tsgemeinschaft Bio-Mineralwasser, lassen sich neuerdings auch gro\u00dfe, namhafte Hersteller zertifizieren. \n\n<\/p>\n\n\n\n

Zuletzt \u2013 im Juli und August dieses Jahres – kamen der Vilsa-Brunnen und die Getr\u00e4nkegruppe H\u00f6velmann hinzu. Dennoch bleibt die Frage, ob Wasser nicht sowieso \u201eimmer bio\u201c sei, in der Branche bislang umstritten. <\/p>\n<\/div>\n\n\n\n

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\"mineralwasser-glas\"
\u00a9 Informationszentrale Deutsches Mineralwasser (IDM)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

Mineralwasser sei \u201enat\u00fcrlich rein und kann nicht noch reiner sein\u201c, glaubt etwa Franken-Brunnen-Chef Michael Bartholl. Er bef\u00fcrchtet eher, dass Verbraucher ein solches Siegel als \u201eEtikettenschwindel\u201c wahrnehmen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Interesses versch\u00e4rft sich auch der Wettbewerb zwischen den Pr\u00fcfstellen: Seit Monaten besch\u00e4ftigen sich Gerichte mit der Frage, ob das Bio-Siegel des SGS-Fresenius-Instituts eine seri\u00f6se Auszeichnung oder doch nur ein minderwertiges \u201eSchein-Bio-Siegel\u201c ist, wie die Qualit\u00e4tsgemeinschaft Bio-Mineralwasser behauptet. Fresenius bekam Anfang September vom Landgericht Frankfurt am Main uneingeschr\u00e4nkt Recht, die Qualit\u00e4tsgemeinschaft hat aber bereits angek\u00fcndigt, in Berufung zu gehen. <\/p>\n\n\n\n

Wer Bio wirklich ernst nehme, m\u00fcsse \u201edie Bio-Prinzipien gegen Angriffe und Aufweichung verteidigen\u201c, erkl\u00e4rte deren Vorsitzender Dr. Franz Ehrnsperger im Zusammenhang mit dem Verfahren. Dabei d\u00fcrfe man sich \u201eauch von Gro\u00dfkonzernen nicht einsch\u00fcchtern lassen\u201c. <\/p>\n\n\n\n

Wieder einmal l\u00e4uft es also auf \u201eDavid gegen Goliath\u201c hinaus. Eher sollten sich wohl die Brunnen \u2013 ob klein oder gro\u00df, bio oder konventionell – miteinander verb\u00fcnden, um gegen die erstarkende Leitungswasser-Lobby zu bestehen. Denn hier d\u00fcrfte k\u00fcnftig der eigentliche Gegner sitzen.<\/p>\n\n\n\n

Wer sich f\u00fcr die technischen Hintergr\u00fcnde rund ums Mineralwasser interessiert, findet in der internationalen Weltleitmesse drinktec in M\u00fcnchen das richtige Forum. Dort pr\u00e4sentieren Aussteller aus aller Welt ihre L\u00f6sungen \u2013 von der Abf\u00fcllanlage bis zur Etikettiermaschine. Die n\u00e4chste drinktec findet vom 13. bis 17. September 2021 statt. <\/p>\n