{"id":5815,"date":"2019-08-09T13:54:51","date_gmt":"2019-08-09T11:54:51","guid":{"rendered":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/?p=5815"},"modified":"2020-03-09T10:01:35","modified_gmt":"2020-03-09T09:01:35","slug":"biowein-was-bietet-markt-was-fordern-verbraucher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/wein\/biowein-was-bietet-markt-was-fordern-verbraucher\/","title":{"rendered":"Biowein: Was bietet der Markt und was fordern die Verbraucher?"},"content":{"rendered":"\n

Bioweine scheinen ein gro\u00dfer Trend zu sein \u2013 wirft man einen genaueren Blick  darauf, zeigt sich jedoch Eines: Bioweine sind noch immer eine Nische! Nur knapp sechs Prozent der weltweiten Rebfl\u00e4che werden als Bio-Weinbaufl\u00e4che ausgewiesen. In Deutschland sind es mit 7,5 Prozent etwas mehr, aber Biowein hat auch hier seine T\u00fccken.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

\u201eBiowein,\nNaturwein, \u00d6kowein, nachhaltiger Wein, veganer Wein\u201c: Eine Menge Begriffe\ngeistern herum und tragen nicht gerade zur klaren Information der Verbraucher\nbei. Vielleicht ist es am einfachsten, vegane Weine zu beschreiben: Es sind\nschlicht Weine, die ohne Substanzen tierischen Ursprungs erzeugt wurden. Jedoch\nspielen tierische Inhaltsstoffe heute nur noch bei wenigen Weinen eine Rolle, bei\ndenen sie f\u00fcr die Kl\u00e4rung oder im Etikettenkleber genutzt werden. F\u00fcr beides\ngibt es aber mittlerweile Ersatz. Veganen Wein kann man deshalb mit Fug und\nRecht als verkaufsf\u00f6rdernde Mogelpackung betrachten \u2013 denn diese Weine stellen Anforderungen,\ndie heute von so gut wie jedem Wein erf\u00fcllt werden. Aus Unwissenheit l\u00e4sst sich\nmitunter Kapital schlagen.<\/p>\n\n\n\n

Naturwein \u2013 eine umstrittene Bezeichnung<\/h2>\n\n\n\n

Unter Naturwein<\/a> darf jeder sich vorstellen, was er will. Eine Definition gibt es nicht und auf dem Etikett darf der Begriff nicht verwendet werden. Sollte dies doch vorkommen, wird dies von der Weinkontrolle beanstandet \u2013 auch wenn das ausdr\u00fcckliche Verbot des Begriffs \u201eNatur\u201c im Weinrecht nicht mehr vorkommt. Doch das Wort hat in Verbindung mit Wein eine lange Tradition. In der ersten H\u00e4lfte des 20ten Jahrhunderts war der Begriff zul\u00e4ssig und durfte f\u00fcr Weine verwendet werden, die nicht mit Zucker angereichert wurden (Anm. des Autors: Unter Anreicherung versteht man die Erh\u00f6hung des Alkoholgehalts durch zugesetzten Zucker vor der Verg\u00e4rung)<\/em>. <\/p>\n\n\n\n

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Der Vorl\u00e4ufer des bekannten Verbands \u201eVDP. Die Pr\u00e4dikatsweing\u00fcter\u201c hie\u00df zur damaligen Zeit sogar \u201eVerband der Naturweinversteigerer\u201c. So wollte sich der Verband von denen abgrenzen, die ihre Weine mit Zucker verbesserten, wie man damals sagte. In den Weingesetzen von 1969 und 1971 war die Verwendung des Begriffs \u201eNatur\u201c dann allerdings ausdr\u00fccklich verboten.<\/p>\n\n\n\n

Der Grund: Es herrschte die Auffassung, Wein sei generell ein Kulturprodukt, das nur in Verbindung mit menschlichem Handeln entstehen k\u00f6nne \u2013 und deshalb die Verwendung des Begriffs \u201eNatur\u201c nicht statthaft sei. Es galt damals das Missbrauchsverbot (Anm. des Autors: Bestimmte Begriffe durften aus missbr\u00e4uchlichen Gr\u00fcnden nicht verwendet werden. Es steht dem heutigen Irref\u00fchrungsverbot gegen\u00fcber).<\/em><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n

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\"Biowein-Anbau\"
\u00a9 Unsplash.com \/ User: Jamie Casap<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

Auch wenn der Begriff im Weingesetz und den grundlegenden EU-Verordnungen nicht mehr vorkommt, ist unter Weinrechtlern unumstritten, dass das Verbot von damals auch heute noch gilt. Eine Verwendung ist demnach als \u201eirref\u00fchrend\u201c zu werten. Spannender Weise scheint der Begriff inzwischen in Kreisen der Weinszene eine andere Bedeutung gefunden zu haben. W\u00e4hrend die Zuckerung fr\u00fcher das entscheidende Kriterium darstellte, versteht man unter der Bezeichnung heute oftmals Produkte aus unbehandelten \u00f6kologisch erzeugten Trauben \u2013 insbesondere aber Wein, bei dem die Trauben bis zum Ende der Verg\u00e4rung weitgehend sich selbst \u00fcberlassen sind. <\/p>\n\n\n\n

Naturwein, der\ninzwischen wieder ganz offen als solcher angeboten wird, findet sich daher auch\nmeist nur in speziellen L\u00e4den der Weinszene, denen der gute Gedanke oder die\ngute Absicht n\u00e4her liegt als eine korrekte Information der Verbraucher.<\/p>\n\n\n\n

Strenge Vorschriften f\u00fcr Biowein<\/h2>\n\n\n\n

F\u00fcr Biowein dagegen\nmacht die Europ\u00e4ische Union (\u00d6ko-Verordnungen) klare Vorschriften bez\u00fcglich der\nBewirtschaftung der Weinberge und der Produktion im Keller. Sie zielen auf eine\nweitgehend nat\u00fcrliche Produktion ab und schr\u00e4nken im Wesentlichen die\nVerwendung von mehr oder weniger wirksamen Pflanzenschutz- und industriellen\nD\u00fcngemitteln ein. <\/p>\n\n\n\n

Die Produktion\nder Trauben im Weinberg wird f\u00fcr die Bio-Winzer und Bio-Weinerzeuger deutlich\nrisikoreicher. Vor allem Pilzinfektionen k\u00f6nnen bei entsprechender Witterung zu\nerheblichen Sch\u00e4den f\u00fchren, bis hin zum Totalverlust. Ein wirksames Mittel\ngegen Infektionen, das bis heute angewandt werden darf, gleichwohl heftig\numstritten ist, ist die Verwendung von Kupferpr\u00e4paraten. Allerdings d\u00fcrfen\ndiese aufgrund der Anreicherung von Kupfer im Boden in der EU nur noch\neingeschr\u00e4nkt eingesetzt werden. Diese Einschr\u00e4nkungen sp\u00fcren die Erzeuger\nheute schon, nachdem die EU f\u00fcr die Jahre ab 2018 festlegte, dass innerhalb der\nkommenden sieben Jahre nur noch insgesamt 28 Kilogramm \u2013 im Durchschnitt also 4\nkg pro Jahr \u2013 an Kupfer aufgebracht werden d\u00fcrfen. <\/p>\n\n\n\n

Starkes Wachstum f\u00fcr Bio-Weinbaufl\u00e4chen in der EU<\/h2>\n\n\n\n

Bis dato zeigte die nach EU-Regeln bewirtschafte Bio-Weinbaufl\u00e4che in der EU kr\u00e4ftiges Wachstum. An der Spitze steht derzeit Spanien mit einer Bioweinfl\u00e4che von 107.000 Hektar, das sind rund 12 Prozent der Rebfl\u00e4che Spaniens. Italien hat mit knapp 16 Prozent und 105.000 Hektar den h\u00f6chsten Biowein-Anteil aller Weinbaul\u00e4nder. <\/p>\n\n\n\n

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\"Bio-Weine
\u00a9 Pexels.com \/ User: Laura Stanley<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n
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Frankreich besitzt inzwischen knapp 80.000 Hektar Biorebfl\u00e4che, das ist ein Anteil von rund 10 Prozent. Deutschland hinkt mit einem Anteil von rund 7,5 Prozent oder rund 7.500 Hektar, die biologisch oder organisch bewirtschaftet werden, etwas hinterher, wie j\u00fcngste Zahlen der Agrarmarkt Informationsgesellschaft belegten. <\/p>\n\n\n\n

Zuversicht k\u00f6nnen deutsche Biowinzer aus einer neuen Mafo-Studie sch\u00f6pfen. Unter dem Titel \u201eThe Global Organic Wine Market\u201c<\/a> hat das Londoner Marktforschungsinstitut IWSR im Auftrag des franz\u00f6sischen Bio-Winzerverbands SudVinBio eine f\u00fcr den deutschen Markt \u00fcberaus erfreuliche Situation skizziert. Schenkt man der Studie Glauben, rangiert Deutschland mit einem Absatz von 121,5 Millionen Litern Wein als gr\u00f6\u00dfter Biowein-Markt an der Spitze der Welt. Bis 2022 prognostizieren die IWSR-Forscher ein kontinuierliches Wachstum von 11,4 Prozent auf einen Umsatz von 1,465 Milliarden Euro. <\/p>\n\n\n\n

Auch wenn die Ergebnisse der Studie manchem etwas zu optimistisch erscheinen, d\u00fcrfte sicher sein, dass Bioweine derzeit zu den gefragten Weinkategorien am Markt geh\u00f6ren. In der Tat konnten die Biowinzer in Deutschland im vergangenen Jahr deutlich h\u00f6here Preise f\u00fcr ihre Weine beim Verkauf an die gro\u00dfen Weinkellereien erzielen als ihre Kollegen f\u00fcr ihre konventionell erzeugten Weine. Doch man muss genauer hinsehen, um dem Ph\u00e4nomen Biowein gerecht zu werden und den Markt realistisch zu beurteilen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

Konsumenten stehen auf Bio \u2013 auch bei Wein!<\/h2>\n\n\n\n
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Ganz so einfach, wie es der eine oder andere Marktforscher orakelt, scheint die Sache nicht zu sein. Zun\u00e4chst mal spielt der Kauf von Bioprodukten f\u00fcr die Konsumenten vor allem bei frisch verzehrten Lebensmitteln eine Rolle, wie eine Studie<\/a> des Marktforschers Prof. Dr. Gergely Szolnoki von der Hochschule Geisenheim zutage f\u00f6rderte. Demnach achten bei frischem Gem\u00fcse, Obst und Salaten, bei Fleisch und Wurstwaren sowie Molkereiprodukten je nach Produktkategorie zwischen 20 bis zu 50 Prozent der Konsumenten regelm\u00e4\u00dfig auf Hinweise, ob die Produkte Biosiegel tragen oder als Bioprodukte hergestellt und ausgezeichnet sind. <\/p>\n<\/div>\n\n\n\n

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Tendenziell kaufen mehr Frauen und altersm\u00e4\u00dfig eher j\u00fcngere Konsumenten Bioweine. Gleichzeitig besitzt die Zielgruppe von Bioweinen einen h\u00f6heren Bildungsgrad und geh\u00f6rt somit einer h\u00f6heren sozialen Schicht an. Hier genie\u00dfen biologisch und nachhaltig erzeugte Produkte einen hohen Stellenwert.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n

Beim Wein ist\ndieser Prozentsatz geringer. Nur f\u00fcr rund f\u00fcnf Prozent der Konsumenten spielen\nBiosiegel eine Rolle. Ganz anders stellt sich die Situation dar, wenn man die\ntats\u00e4chlichen Weink\u00e4ufer und -konsumenten befragt: Mehr als 22 Prozent der\nWeink\u00e4ufer und Weinkonsumenten gaben an, beim Weineinkauf ab und an bewusst auf\nBioweine zu achten. Das sind immerhin rund neun Millionen Konsumenten, die\nsomit ein beachtliches Marktvolumen darstellen und die eigentliche\nKernzielgruppe f\u00fcr Bioweine sind.   <\/p>\n\n\n\n

Im Fachhandel, beim Winzer oder doch im Discounter \u2013 wo kauft der Biowein-Konsument ein?<\/h2>\n\n\n\n

Stellt sich\nnat\u00fcrlich die Frage, ob man die Gewohnheiten dieser Konsumenten etwas genauer\nanalysieren kann. Die Studie der Hochschule Geisenheim gibt dazu einige\nAusk\u00fcnfte, was Konsumintensit\u00e4t, Geschmacks- und Herkunftspr\u00e4ferenzen,\nbevorzugte Nutzung von Einkaufsst\u00e4tten und soziodemografische Daten wie Alter\nGeschlecht und soziale Schichten betrifft. Der Anteil der Konsumenten, die eher\ntrockene Weine bevorzugen, ist beispielsweise bei den Biowein-K\u00e4ufern h\u00f6her als\nbei den Nicht-Biowein-K\u00e4ufern. Hinsichtlich der Herkunft zeigen sich die\nBio-Weink\u00e4ufer offen f\u00fcr Entdeckungen und kaufen eher schon mal ausl\u00e4ndische\nWeine, au\u00dferdem  tendieren sie mehr zu\nRot- als zu Wei\u00dfweinen.<\/p>\n\n\n\n

Deutliche\nUnterschiede zwischen beiden Gruppen bestehen hinsichtlich der Wahl und Nutzung\nder bevorzugten Einkaufsst\u00e4tten. W\u00e4hrend Nicht-Biowein-K\u00e4ufer st\u00e4rker im\nDiscounthandel Wein einkaufen, suchen Biowein-K\u00e4ufer ihre Weine st\u00e4rker im\nFachhandel, beim Erzeuger und im spezialisierten Online-Handel. Biowein-K\u00e4ufer\nsind also als klassische Multi-Channel-Kunden zu verstehen, die auch beim\nEinkaufen eher mal wechseln und unterschiedliche Quellen nutzen. <\/p>\n