{"id":5128,"date":"2019-05-22T18:04:05","date_gmt":"2019-05-22T16:04:05","guid":{"rendered":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/?p=5128"},"modified":"2020-02-27T15:03:23","modified_gmt":"2020-02-27T14:03:23","slug":"trend-erfrischungsgetraenke-ohne-zucker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/alkoholfreie-getraenke\/trend-erfrischungsgetraenke-ohne-zucker\/","title":{"rendered":"Trend: Erfrischungsgetr\u00e4nke mit wenig oder ohne Zucker"},"content":{"rendered":"\n

Zuckersaft schafft Nervenkraft \u2013 ein Reim, der so manchem bekannt ist. Und ein Reim, der den heutigen Zeitgeist ganz und gar nicht mehr trifft. \u201eDas Zucker-Zeitalter geht zu Ende\u201c titelte die S\u00fcddeutsche Zeitung k\u00fcrzlich zum Thema Erfrischungsgetr\u00e4nke ohne Zucker. Und das Weiss-Institut, das sich als \u201eExperte f\u00fcr Suchtentw\u00f6hnung\u201c bezeichnet, bietet unter dem Motto \u201eEndlich suchtfrei leben\u201c neben der Entw\u00f6hnung von Alkohol und Zigaretten mittlerweile auch die von Zucker an.<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Fazit: Das Image von Zucker \u00e4ndert sich rasant.\nAuch weil in immer mehr Studien Zuckerkonsum als problematisch bezeichnet wird.\nDa kommen zuckerges\u00fc\u00dfte Getr\u00e4nke, insbesondere Erfrischungsgetr\u00e4nke, deutlich\nmit ins Spiel. Sie gelten laut Weltgesundheitsorganisation als eine der\nHauptursachen f\u00fcr die Entstehung von Adipositas (Fettleibigkeit) und\nTyp-2-Diabetes. Aktuell sind etwa 6,7 Millionen Menschen allein in Deutschland\nan Typ-2-Diabetes erkrankt und etwa jeder vierte Erwachsene gilt als\nfettleibig. Nur durch Fettleibigkeit entstehen in Deutschland j\u00e4hrlich etwa 63\nMilliarden Euro an Folgekosten. <\/p>\n\n\n\n

foodwatch: \u201eJedes zweite Erfrischungsgetr\u00e4nk ist \u00fcberzuckert\u201c<\/strong> <\/h2>\n\n\n\n

\u201eIn kaum einem europ\u00e4ischen Land nehmen die Menschen so viel Zucker \u00fcber sogenannte Erfrischungsgetr\u00e4nke auf wie in Deutschland\u201c, warnt die Verbraucherorganisation foodwatch<\/a> und belegt dies durch Zahlen des Marktforschungsinstituts Euromonitor International. Das sprach k\u00fcrzlich davon, dass der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker allein durch Softdrinks im Jahr 2016 bei durchschnittlich 26 Gramm pro Tag bzw. ca. 9,5 Kilogramm pro Jahr lag. Damit steht Deutschland hinter den Niederlanden und der Slowakei in Europa auf Platz drei der M\u00e4rkte, in denen der h\u00f6chste Zuckerkonsum \u00fcber Erfrischungsgetr\u00e4nke stattfindet. Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland laut Euromonitor International auf Platz elf \u2013 nach M\u00e4rkten wie Argentinien, Chile, den USA und Mexiko. <\/p>\n\n\n\n

Gem\u00e4\u00df einer Ende 2018 ver\u00f6ffentlichten foodwatch-Marktstudie ist etwa jedes zweite Erfrischungsgetr\u00e4nk in Deutschland \u00fcberzuckert. Was im Detail hei\u00dft, dass 345 von insgesamt 600 untersuchten Getr\u00e4nken mehr als 50 Gramm Zucker je Liter aufwiesen. Die Verbraucherorganisation fordert daher eine Zuckersteuer<\/a>, die am Beispiel von Gro\u00dfbritannien orientiert ist. Dort gibt es seit April 2018 ein Gesetz, das Hersteller von Softdrinks verpflichtet, f\u00fcr Produkte, denen mehr als f\u00fcnf Gramm Zucker pro 100 Milliliter zugesetzt wurde, je Liter 18 Pence (ca. 21 Cent) an Steuern zu bezahlen. Bei mehr als acht Gramm Zucker pro 100 Milliliter werden 24 Pence je Liter f\u00e4llig. Weitere L\u00e4nder, die eine Abgabe auf stark zuckerhaltige Softdrinks praktizieren sind beispielsweise Portugal, Estland, Belgien, Norwegen, Frankreich, Ungarn, Mexiko, S\u00fcdafrika und auch einige US-Staaten.<\/p>\n\n\n\n

Die Getr\u00e4nkeindustrie reduziert eigenverantwortlich bis 2025<\/strong> <\/h2>\n\n\n\n

In Deutschland setzt Bundesern\u00e4hrungsministerin\nKl\u00f6ckner nun auf eine vom Kabinett Ende 2018 beschlossene sogenannte nationale\nReduktions- und Innovationsstrategie f\u00fcr Zucker, Fette und Salz mit einem\nklaren Fokus auf Fertigprodukte. Bis zum Jahr 2025 hat sich die Lebensmittel-\nund Getr\u00e4nkewirtschaft verpflichtet, konkrete Reduktionsziele zu erreichen.\nErste Ergebnisse werden im Herbst 2019 von Experten unter die Lupe genommen,\nk\u00fcndigte Kl\u00f6ckner an. <\/p>\n\n\n\n

Die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie\nGetr\u00e4nke \u00e4u\u00dferte sich bereits dazu und strebt an, den Zucker- und\nKaloriengehalt der in Deutschland vertriebenen Erfrischungsgetr\u00e4nke, ausgehend\nvom Jahr 2015 bis zum Jahr 2025, um 15 Prozent zu reduzieren. \u201eWir sind f\u00fcr\nunsere Kategorie zuversichtlich, dieses Ziel durch fortgesetzte Reformulierung\nund Innovation erreichen zu k\u00f6nnen. Die wichtigste Grundlage f\u00fcr den Erfolg der\nStrategie ist und bleibt dabei die Akzeptanz der Produkte bei den\nVerbrauchern\u201c, meint dazu Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dr. Detlef Gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n

Diese Akzeptanz d\u00fcrfte indes gr\u00f6\u00dfer sein als es\nsich viele klassische Erfrischungsgetr\u00e4nkehersteller momentan vorstellen\nk\u00f6nnen. Allein weil der Trend zu gesunder Ern\u00e4hrung, die dazu verhelfen soll,\nin jedem Lebensalter fit zu bleiben, immer weiter an Kraft gewinnt. Petra\nOssendorf, AFG-Expertin bei Nielsen: \u201eAuf Wachstumskurs befinden sich Produkte\nmit weniger Zucker, aber auch Zero-Produkte, die aufgrund der\nGesundheitsdiskussion im Fokus stehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Innovationen und Strategien, die ankommen<\/strong> <\/h2>\n\n\n\n

Erfolgreiche Beispiele aus der Branche gibt es\neinige. So landete granini mit der Einf\u00fchrung der \u201eLeichten Limo\u201c einen\nVolltreffer. Bereits acht Monate nach Markteinf\u00fchrung fiel bei jeder f\u00fcnften\nverkauften granini Limonade die Wahl auf die Variante mit 50 Prozent weniger\nzugesetztem Zucker. Bei Sinalco spricht Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Heino H\u00f6velmann von\neiner guten Entwicklung der Zero-Sorten: \u201eDie Absatzentwicklung belegt, dass\nzuckerfreie Produkte den Geschmack des Verbrauchers treffen.\u201c <\/p>\n\n\n\n

Aktiv in punkto zuckerfreier und zuckerreduzierter Getr\u00e4nke zeigt sich auch Branchengigant Coca-Cola. Deutschlandweit startete das Unternehmen Anfang des Jahres eine \u201eGeld-Zur\u00fcck-Aktion\u201c f\u00fcr den Fall, dass den Verbrauchern die zuckerfreien Varianten des Sortiments nicht schmecken sollten. Au\u00dferdem investiert Coca-Cola, bezogen auf den Liter pro Getr\u00e4nk, etwa 90 Prozent mehr in Werbung f\u00fcr Erfrischungsgetr\u00e4nke mit weniger und ohne Zucker als f\u00fcr Produkte mit Zucker. Ebenfalls interessant: Das Unternehmen steigt, dem Trend zur Gesundheit folgend, immer weiter in den Biomarkt mit ein. Unter anderem mit Honest Bio Tee. 2019 erweitert Coca-Cola Deutschland die Marke um Honest Bio Limonade. Diese stille Limonade soll Fruchtsaft aus Konzentrat und 30 Prozent weniger Zucker als vergleichbare Produkte enthalten.<\/p>\n\n\n\n

\u00d6sterreich als Vorreiter<\/strong> <\/h2>\n\n\n\n

Ein wenig weiter als in Deutschland ist man in punkto Erfrischungsgetr\u00e4nke ohne Zucker auf dem \u00f6sterreichischen Markt. Auch hier lautet das Motto: Statt einer neuen Steuer soll der Zuckergehalt gemeinsam mit den Getr\u00e4nkeproduzenten vermindert werden. Immerhin sank in den letzten acht Jahren der durchschnittliche Zuckergehalt in Getr\u00e4nken in \u00d6sterreich laut vorsorgemedizinischem Institut Sipcan um 13,5 Prozent. Gem\u00e4\u00df Ern\u00e4hrungswissenschaftler Manuel Sch\u00e4tzer bleibt der Druck auf die Industrie aufgrund von regelm\u00e4\u00dfigen Analysen hoch. Gegen eine schnell wirksame Zuckersteuer ist der Experte auch deshalb, weil seiner Meinung nach eine Zuckerreduktion nur schrittweise gelingen kann, damit der Konsument eine Chance hat, sich daran zu gew\u00f6hnen. Dieser Gew\u00f6hnungseffekt d\u00fcrfte schlie\u00dflich auch Produkten wie Pure Tea Ingwer Tee, einem neuen, g\u00e4nzlich unges\u00fc\u00dften Teegetr\u00e4nk von Pfanner, deutlich entgegenkommen. <\/p>\n\n\n\n

Erfrischungsgetr\u00e4nke ohne Zucker \u2013 in Japan bereits eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit<\/strong> <\/h2>\n\n\n\n

In diesem Zusammenhang mag ein Blick in Richtung des japanischen Getr\u00e4nkemarktes hilfreich sein. Dort stehen Erfrischungsgetr\u00e4nke ohne Zucker beginnend mit der Kindheit im Fokus. Folge ist, dass jeder Automat, Convenience Store und Supermarkt in Japan traditionell eine gro\u00dfe Auswahl an gek\u00fchlten Getr\u00e4nken vorh\u00e4lt, die ganz ohne Zucker auskommen. Vor allem zuckerfreie Teegetr\u00e4nke sind hier der Renner. <\/p>\n\n\n\n

Auf Verbraucherw\u00fcnsche eingehen<\/strong> <\/h2>\n\n\n\n

Doch auch die Ideensammlung beim\nLebensmittelhandel kann sich n\u00fctzlich darstellen. Eine interessante Strategie\nzur Zuckerreduzierung verfolgt beispielsweise das K\u00f6lner Handelsunternehmen\nRewe. Innerhalb von nur einem Jahr wurde dort der Zuckergehalt von 100\nProdukten des Eigenmarkensortiments gesenkt. \u00dcber 400 Artikel werden zurzeit in\nihrer Rezeptur angepasst. Bis 2020 will der Handelsriese alle relevanten\nEigenmarken \u00fcberpr\u00fcfen und mindestens die H\u00e4lfte davon mit reduziertem\nZuckergehalt anbieten. Besonders erw\u00e4hnenswert: Rewe hat seine Kunden in diese\nStrategie von Beginn an mit einbezogen. Vier Wochen lang konnten sie\nbeispielsweise online ihren pers\u00f6nlichen Schokoladenpudding-Favoriten unter\nvier Varianten mit verschiedenen Zuckerstufen ausw\u00e4hlen. Der Siegerpudding\nenthielt 30 Prozent weniger Zucker als bislang, wurde ins Sortiment aufgenommen\nund bekommt bis heute starken Zuspruch. Ein kluger Schachzug, der die erh\u00f6hte\nVerbraucherakzeptanz auch f\u00fcr weitere zuckerreduzierte Produkte nach sich\nzieht. Vielleicht auch eine Idee f\u00fcr die Getr\u00e4nkebranche, Kunden st\u00e4rker in\nPlanungen und Entscheidungen zur Zuckerreduzierung mit einzubeziehen?<\/p>\n\n\n\n

Althergebrachte Getr\u00e4nkekategorien \u00fcberdenken?<\/strong> <\/h2>\n\n\n\n

Eine Frage, die sich die Branche in\nZusammenhang mit einer angestrebten Zuckerreduzierung ebenfalls stellen sollte,\nist die, ob althergebrachte Getr\u00e4nkekategorien zu \u00fcberdenken sind. Der Fall\nLemonaid lieferte einen Denkansto\u00df in diese Richtung. Das Fachamt des Hamburger\nBezirks Mitte hatte Lemonaid abgemahnt, weil eine Limonadensorte des\nSzene-Herstellers nicht den vorgeschriebenen Mindestzuckergehalt enth\u00e4lt. Die\nBeh\u00f6rde schlug dem Hersteller vor, das Produkt entweder umzubenennen oder den\nZuckergehalt heraufzusetzen, was dieser mit dem Hinweis ablehnte, dass die\nLimonade seit 2009 unbeanstandet verkauft w\u00fcrde. Die Wirtschaftsvereinigung\nAlkoholfreie Getr\u00e4nke wies in diesem Zusammenhang auf klar definierte Kategorien\nmit klaren Spielregeln hin. <\/p>\n\n\n\n

Trend zu weniger Zucker und zu nat\u00fcrlichen S\u00fc\u00dfungskonzepten<\/strong> <\/h2>\n\n\n\n

Alles in allem treffen Erfrischungsgetr\u00e4nke mit wenig oder ohne Zucker den aktuellen Trend. Allerdings warnen Forscher davor, dass Zucker einfach durch S\u00fc\u00dfstoffe ersetzt wird. So litten laut einer Studie des Canadian Medical Association Journal Konsumenten, die vermehrt S\u00fc\u00dfstoffe aufnahmen, unter einem erh\u00f6hten Schlaganfall- und Herzinfarkt-Risiko und nahmen zudem nicht ab. Grundstoffhersteller wie WFSI, D\u00f6hler oder SVZ International bieten der Branche auch die auf das jeweilige Getr\u00e4nk hin abgestimmten nat\u00fcrlichen S\u00fc\u00dfungskonzepte<\/a>. <\/p>\n