{"id":4798,"date":"2018-10-08T10:20:29","date_gmt":"2018-10-08T08:20:29","guid":{"rendered":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/?p=4798"},"modified":"2018-10-10T10:02:01","modified_gmt":"2018-10-10T08:02:01","slug":"hopfenmarkt-im-umbruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/bier\/hopfenmarkt-im-umbruch\/","title":{"rendered":"Hopfenmarkt im Umbruch \u2013 Bitterhopfen vs. Aromahopfen"},"content":{"rendered":"

Aromahopfen galt in den vergangenen Jahren f\u00fcr viele Produzenten als Umsatzbringer schlechthin. Mit der steigenden Nachfrage nach Bittersorten und einer schwierigen Erntesituation steht der Hopfenmarkt weltweit jetzt vor einem erneuten Wandel. Europ\u00e4ische und amerikanische Hopfenbauer m\u00fcssen wieder mehr Hochalpha-Gew\u00e4chse anpflanzen. <\/strong><\/p>\n

Gerade fahren Hopfenbauer der n\u00f6rdlichen Hemisph\u00e4re noch die letzten Ranken der diesj\u00e4hrigen Ernte ein, um auch die letzten Dolden des gr\u00fcnen Goldes unter Dach und Fach zu bringen. Aber schon wieder muss sich der globale Hopfenmarkt auf eine neue Situation einstimmen. Nach dem weltweiten Trend zu Spezialit\u00e4tenbieren und der damit verbundenen Nachfrage nach Aromasorten, erlebte der Hopfenmarkt in den vergangenen Jahren eine unerwartete Dynamik. Die Hopfenanbaufl\u00e4chen wuchsen rasant und neue Sorten r\u00fcckten in den Fokus der Brauer. Bedingt durch die enorme Nachfrage nach Aromahopfen<\/a> haben viele Pflanzer angesichts des verlockenden Neugesch\u00e4fts sogar ihre traditionellen Bittertypenfelder gerodet. Das scheint sich inzwischen zu r\u00e4chen.<\/p>\n

\u00dcberraschung: Bitterhopfen ist gefragt<\/strong><\/h2>\n

F\u00fcr viele Hopfenbauer \u00fcberraschend, steigt pl\u00f6tzlich wieder die internationale Nachfrage nach Bitterhopfen. Nicht wenige Hopfenbauer haben sich verkalkuliert und m\u00fcssen jetzt \u2013 keineswegs allein aus saisonalen Gr\u00fcnden \u2013 wieder umpflanzen. So verzeichnen etwa in Deutschland nach dem aktuellen \u201eBarth-Haas-Bericht<\/a>\u201c wichtige, zum Teil gerade erst angepflanzte Aromasorten enorme Einbu\u00dfen im Vergleich zu 2017: H\u00fcll Melon -10,8 Prozent, Mandarina Bavaria -9,8 Prozent, Hallertauer Mittelfr\u00fch -4,9 Prozent. Daf\u00fcr legen die Bittersorten wie Polaris um knapp 30 Prozent und Herkules um 8,8 Prozent zu. \u201eDer Markt f\u00fcr Bittersorten bleibt dennoch eng\u201c, best\u00e4tigt Barth-Haas-Vertriebschef Thomas Raiser. Aber zu Engp\u00e4ssen d\u00fcrfe es noch nicht kommen.<\/p>\n

Hopfenmarkt verzeichnet Wachstum in den USA<\/strong><\/h2>\n

In den USA, dem gr\u00f6\u00dftem Hopfenanbaugebiet der Welt, vergr\u00f6\u00dfert sich die Fl\u00e4che der Bittersorten erstmals seit 2011. W\u00e4hrend in Deutschland rund 21.000 Hektar Bittersorten wachsen, sind es jenseits des Atlantiks etwa 14.000 Hektar. Neue Z\u00fcchtungen mit hohen Alphawerten erleben in den Vereinigten Staaten gerade einen enormen Zuwachs. Etwa die neue Hochalphasorte \u201ePahto\u201c vermehrte sich zu 2017 um 73 Prozent und \u201eCTZ No. 2\u201c immerhin um 25 Prozent.<\/p>\n

So f\u00e4llt nach ersten Prognosen die Ernte \u2013 insgesamt gesehen \u2013 in den USA diesj\u00e4hrig relativ gut aus. Die Bedingungen, also g\u00fcnstiges Klima und ausreichend Wasser, waren dort nahezu perfekt. Lediglich Aromasorten wie Cascade und Simcoe scheinen etwas zu schw\u00e4cheln. Dennoch: In diesem Jahr wurde in den USA eine Rekordmenge von 22.400 Hektar angebaut. Erwartet wird, dass die Ernte einen Ertrag von 46.000 Tonnen \u00fcbertrifft. Spitzenreiter ist die Aromasorte \u201eCitra\u201c, die einen Zuwachs von 30 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr verzeichnet. Da die Ernte in den USA bis Ende September dauert, k\u00f6nnen hier bisher nur Sch\u00e4tzungen abgegeben werden.<\/p>\n

Europ\u00e4ische Hopfenanbaugebiete k\u00e4mpfen<\/strong><\/h2>\n

Ein Problem hingegen verzeichnen in diesem Erntejahr vor allem die europ\u00e4ischen Hopfenanbaugebiete. Wegen Trockenheit und Hitze liegen laut aktuellen Zahlen die Alphagehalte deutlich unter dem Durchschnitt. W\u00e4hrend es in Deutschland bis Mitte Juli eigentlich noch ganz gut aussah, war es in den Monaten bis Erntebeginn zu hei\u00df und es regnete zu wenig. Wegen der Trockenheit bildeten sich die Dolden auch nicht optimal aus und blieben unter dem Durchschnitt. Die Gesamtproduktion d\u00fcrfte rund 3.000 Tonnen unter Normalwert liegen.<\/p>\n

In der Tschechische Republik, dem zweitgr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen Hopfenanbaugebiet, litten die Best\u00e4nde noch schlimmer unter der Trockenheit. Hier liegt der Ertrag in diesem Jahr 40 Prozent unter dem Durchschnitt. Hopfenexperten sch\u00e4tzen, dass nur 4.200 Tonnen, anstatt dem angepeilten Normalwert von 6.600 Tonnen herauskommen. Die weltweite Alphabilanz zeigt also erneut ein negatives Ergebnis auf und f\u00fchrt mancherorts zu Verknappung. Dies sei aber vor allem eine Folge des Hitzesommers. Bei normalen Ertr\u00e4gen k\u00f6nne hier jedoch die Nachfrage \u2013 ohne zus\u00e4tzliche Anpflanzungen \u2013 bedient werden k\u00f6nnen.<\/p>\n

Weltweit gibt es inzwischen zwar Dutzende Hopfenanbaugebiete, wobei die USA immer noch mehr als 40 Prozent und Deutschland mehr als 35 Prozent der Weltproduktion ausmacht. Aber die Vorvertragsquoten sind teilweise so hoch, dass es vor allem in Europa k\u00fcnftig fast keinen Freihopfen im Markt geben wird. Vordenker der Hopfenzunft prognostizieren deshalb, dass die Versorgungslage bei einigen Sorten k\u00fcnftig eher enger werden d\u00fcrfte.<\/p>\n