{"id":4790,"date":"2018-10-05T11:24:00","date_gmt":"2018-10-05T09:24:00","guid":{"rendered":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/?p=4790"},"modified":"2018-10-09T16:59:28","modified_gmt":"2018-10-09T14:59:28","slug":"weinernte-2018-gute-aussichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/wein\/weinernte-2018-gute-aussichten\/","title":{"rendered":"Weinernte 2018 \u2013 Gute Aussichten"},"content":{"rendered":"

Die internationale Weinproduktion 2018 verbessert die Versorgungslage f\u00fcr Wein deutlich. Durchschnittliche bis gute Ernten in den gro\u00dfen Weinerzeugerl\u00e4ndern auf der S\u00fcdhalbkugel der Erde zu Beginn des Jahres und eine gr\u00f6\u00dfere Weinernte als die letzten Jahre in vielen L\u00e4ndern Europas sp\u00fclen deutlich mehr Wein in die Keller der Winzer, Weing\u00fcter und Kellereien.<\/strong><\/p>\n

2017 musste die internationale Weinbranche mit einem Gesamtvolumen von 250 Millionen Hektolitern eine der kleinsten Weinernten der letzten Jahrzehnte verkraften. Die Folge waren zum Teil erhebliche Preissteigerungen f\u00fcr wichtige Weinkategorien: Von einfachen Wei\u00df- und Rotweinen ohne n\u00e4here Herkunftsangabe<\/a>, die \u00a0als \u00bbGeneric White\u00ab oder \u00bbGeneric Red\u00ab gehandelt werden, bis hin zu den wichtigen Rebsortenweinen der einzelnen Weinl\u00e4nder, wie zum Beispiel Merlot aus den \u00dcberseel\u00e4ndern oder Tempranillo aus Spanien, \u2013 sie alle wurden erheblich teurer. Viele Kontrakte konnten nicht oder nur zu h\u00f6heren Preisen bedient werden, wodurch einzelne Weine aus den Listungen gro\u00dfer Handelsketten verschwanden oder im Verkauf aufgrund erh\u00f6hter Preise Absatzverluste verzeichnen mussten.<\/p>\n

Weinproduktion wird international<\/strong><\/h2>\n

Mehr als ein Drittel der gesamten Weltweinproduktion wird inzwischen \u00fcber Kontinente und L\u00e4ndergrenzen hinweg gehandelt. Der internationale Warenaustausch spielt auch bei Wein eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle. Neue L\u00e4nder und M\u00e4rkte wie China, der \u00fcbrige asiatische Raum, aber auch aufsteigende L\u00e4nder in Afrika und S\u00fcdamerika beginnen, ihre Vorliebe f\u00fcr Wein zu entdecken. Das weltweite Volumen der internationalen Exporte<\/a> ist inzwischen auf \u00fcber 108 Millionen Hektoliter und der Wert auf \u00fcber 30 Milliarden Euro geklettert, wie die \u201eInternationale Organisation f\u00fcr Rebe und Wein\u201c (OIV) in Paris in ihrem j\u00fcngsten Bericht<\/a> ver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n

W\u00e4hrend 2017<\/a> als das Jahr mit knapper Versorgungslage in die Annalen eingehen wird, verbessert 2018 die Lage wiederum entscheidend. Mit der internationalen Weinernte 2018 d\u00fcrfte eine R\u00fcckkehr zur normalen Versorgungslage erfolgen. Das bedeutet geringeren Stress f\u00fcr Eink\u00e4ufer bei der Beschaffung gew\u00fcnschter Mengen und moderatere Preise f\u00fcr die Weinkellereien und Handelsunternehmen. Fr\u00fchzeitige Informationen \u00fcber die zuk\u00fcnftige Mengen-, Markt- und Preisentwicklung sind entscheidend f\u00fcr den Markt, womit ein erster \u00dcberblick \u00fcber die aktuelle Ernte 2018 willkommene Informationen liefert.<\/p>\n

Ausgeglichene Weinernte auf der S\u00fcdhalbkugel<\/strong><\/h2>\n

Auf der S\u00fcdhalbkugel konnte im Fr\u00fchjahr Argentinien mit einem vorl\u00e4ufigen Erntevolumen von 2,55\u00a0Millionen Tonnen nach drei kleineren Ernten in den Vorjahren wieder an einen normalen Herbst ankn\u00fcpfen. Chile konnte mit einer Ernte von 1,85\u00a0Millionen Tonnen oder 13\u00a0Millionen Hektolitern eine um 36 Prozent gr\u00f6\u00dfere Ernte im Vergleich zu 2017 einfahren. Australien blieb mit 1,79\u00a0Millionen Tonnen hinter den beiden Konkurrenten aus Lateinamerika und erntete im Vorjahresvergleich etwa 20 Prozent weniger Wein. Auch S\u00fcdafrika konnte im Fr\u00fchjahr mit 1,2\u00a0Millionen Tonnen \u2013 oder 15\u00a0Prozent weniger infolge der schlimmsten D\u00fcrre seit 100 Jahren \u2013 deutlich weniger Wein produzieren als 2017. Die Preise f\u00fcr chilenische und argentinische Weine gaben daher etwas nach, f\u00fcr die wichtigsten Weinkategorien in S\u00fcdafrika musste etwas mehr bezahlt werden.<\/p>\n

Die Vereinigten Staaten rechnen im laufenden Herbst mit 3,8 Millionen Tonnen Trauben. Ein Teil davon wird f\u00fcr Wein, ein anderer f\u00fcr Rosinen und andere Traubenprodukte verwendet. Das Weinvolumen d\u00fcrfte wie in den Vorjahren bei etwa 24 bis 25 Millionen Hektolitern liegen. Die USA k\u00f6nnen damit ihren Weinbedarf nicht allein aus eigener Ernte decken und bleiben als wichtigster Importmarkt der Welt f\u00fcr alle anderen Weinproduzenten interessant. Hitze und katastrophale Feuersbr\u00fcnste, die auch in den Weinregionen w\u00fcteten, beeintr\u00e4chtigten zwar das Ergebnis, aber das Volumen der Weinproduktion liegt auf Normalniveau.\u00a0<\/strong><\/p>\n

Europa mit deutlich gr\u00f6\u00dferer Weinernte<\/strong>\u00a0<\/strong><\/h2>\n

Nach einem katastrophal kleinen Erntejahr 2017 kehrt Europa zu normalen Verh\u00e4ltnissen zur\u00fcck. In Spanien wird mit einer Ernte von rund 6\u00a0Millionen Tonnen oder etwa 40\u00a0bis 42\u00a0Millionen Hektolitern gerechnet. Spanien w\u00fcrde damit wieder eine deutlich gr\u00f6\u00dfere Ernte als in den Jahren nach der Rekordernte von 2013 einfahren, die rund sieben Prozent \u00fcber dem langj\u00e4hrigen Durchschnitt l\u00e4ge. Aufgrund der h\u00e4ufigen Regenf\u00e4lle und des Witterungsverlaufs war die Ernte in Spanien um rund 14 Tage verz\u00f6gert. Das Ergebnis ist mengen- wie qualit\u00e4tsm\u00e4\u00dfig ordentlich. Frankreich liegt mit einer Menge von 6,5\u00a0Millionen Tonnen Trauben \u2013 verwandelt in Wein ist das ein Volumen von 45 bis 47\u00a0Millionen Hektolitern \u2013 im langj\u00e4hrigen Mittel. Der Weinbau in Frankreich hatte zwar mit etlichen Wetterkapriolen bis hin zu Hagel und Starkregen zu k\u00e4mpfen, mit dem voraussichtlichen Volumen liegt die Ernte aber auf gutem Niveau.<\/p>\n

Einen schwierigen Witterungs- und damit Vegetationsverlauf hatten auch die Weinbauern in Italien zu bew\u00e4ltigen. Dennoch d\u00fcrfte die Ernte nach Sch\u00e4tzungen des italienischen \u00d6nologenverbands (UIV) mit rund 52 Millionen Hektolitern eine der gr\u00f6\u00dften Ernten der letzten Jahrzehnte sein. Apulien katapultiert sich mit knapp 11 Millionen Hektolitern vor dem Veneto an die Spitze der italienischen Weinregionen. Die Versorgung mit wichtigen italienischen Weine wie Pinot Grigio, Chardonnay, Soave oder Lugana als Wei\u00dfweine sowie Sangiovese, Negroamaro, Primitivo oder Montepulciano d\u2019Abruzzo d\u00fcrfte im laufenden und im kommenden Jahr somit sicher gestellt sein. Noch herrscht allerdings etwas Unsicherheit \u00fcber die italienischen Erntezahlen. Kurz nach dem \u00d6nologenverband ver\u00f6ffentlichte das italienische Landwirtschaftsministerium eine um rund 6\u00a0bis 7\u00a0Millionen Hektoliter niedrigere Prognose f\u00fcr das Erntevolumen. Ob etwas mehr oder weniger d\u00fcrfte am Ende allerdings kaum eine Rolle spielen \u2013 die Weinernte f\u00e4llt in jedem Fall viel gr\u00f6\u00dfer aus als im langj\u00e4hrigen Mittel und im vergangenen Jahr.<\/p>\n

Vielversprechende Ernteaussichten in Deutschland<\/strong><\/h2>\n

Der Weinbau in Deutschland d\u00fcrfte nach den aktuell vorhandenen Daten und den Aussagen von Beobachtern eine sehr gro\u00dfe Ernte erwarten. Bef\u00fcrchtete Ernteminderungen durch die lange Trockenperiode erweisen sich nur in Ausnahmef\u00e4llen als zutreffend. Das Potenzial der Ernte liegt bei deutlich \u00fcber 10 Millionen Hektolitern. Das w\u00e4re erheblich mehr als die 8,5 Millionen Hektoliter, die 2017 in die Keller flossen. Aufgrund der gesetzlich geregelten H\u00f6chstertragsbegrenzung, die die Vermarktung der Ernte beschr\u00e4nkt, werden zahlreiche Winzer nicht alles ernten, was an den Rebst\u00f6cken gewachsen ist. F\u00fcr die Winzer ein herber Verlust. Angesichts des gut entwickelten und gesunden Traubenguts ist von vielen nicht nachvollziehbar, wieso eine solche Ernte nicht ganz eingebracht werden kann. Die nicht-geernteten Mengen k\u00f6nnten eventuelle Minderernten in den n\u00e4chsten Jahren wieder ausgleichen. Aber was nicht geregelt ist, ist nicht erlaubt, und so verdirbt ein Teil der deutschen Weinernte am Rebstock.<\/p>\n

Kleinere Erzeugerl\u00e4nder in Europa, wie beispielsweise \u00d6sterreich, berichten ebenfalls \u00fcber gute Ernteaussichten. Mit einem Volumen von 2,6\u00a0bis 2,8 Millionen Hektolitern d\u00fcrfte die Ernte ebenfalls etwas \u00fcber dem Durchschnitt liegen.<\/p>\n

Alles in allem rechnen Marktbeobachter mit einer Weltweinernte von rund 270\u00a0bis 275 Millionen Hektolitern, was rund zwei\u00a0Prozent \u00fcber dem langj\u00e4hrigen Mittel und rund 11\u00a0Prozent \u00fcber dem Niveau des vergangenen Jahres liegen w\u00fcrde. Angesichts eines durchschnittlichen weltweiten Konsums in den letzten Jahren von 240\u00a0Millionen Hektolitern kehrt der Weltweinmarkt wieder zu normalen Versorgungsverh\u00e4ltnissen und damit zu moderaten Weinpreisen im internationalen Handel zur\u00fcck. Die Verbraucher d\u00fcrfen sich auf gute Weine zu akzeptablen Preisen freuen.<\/p>\n