{"id":3643,"date":"2018-08-09T15:35:27","date_gmt":"2018-08-09T13:35:27","guid":{"rendered":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/?p=3643"},"modified":"2018-08-29T10:16:14","modified_gmt":"2018-08-29T08:16:14","slug":"erntemaschinen-im-weinbau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/wein\/erntemaschinen-im-weinbau\/","title":{"rendered":"Mensch vs. Maschine: Erntemaschinen im Weinbau"},"content":{"rendered":"
Pfl\u00fcgen, Eggen, S\u00e4en, Ernten: In der Landwirtschaft geht es l\u00e4ngst nicht mehr ohne Maschinen. Vom Traktor bis zum GPS-gesteuerten M\u00e4hdrescher: Das geh\u00f6rt zum Landleben einfach dazu. Auch im Weinbau werden Erntemaschinen eingesetzt, doch hier haben Weinliebhaber eine psychologische Hemmschwelle. Wir stellen uns die Weinerzeugung am liebsten als traditionelles Handwerk vor. Der Winzer soll bitte sch\u00f6n pers\u00f6nlich im Wingert stehen und vom Rebschnitt bis zur Ernte alles per Hand erledigen. <\/strong><\/p>\n Dies ist nicht nur eine romantische Vorstellung von Verbrauchern, sondern mehr: auch Argument der Winzer. \u201eHandlese\u201c ist ein unverzichtbares Qualit\u00e4tskriterium etwa beim hochwertigen Schaumwein<\/a> (Cr\u00e9mant), wird jedoch auch bei entsprechend hochpreisigen Weinen durchgef\u00fchrt. Das Argument: Nur Handlese garantiere die optimale Selektion, das hei\u00dft Eliminierung fauler, unreifer oder besch\u00e4digter Beeren, sowie die Unversehrtheit der gesunden Beeren, die in kleinen Transportk\u00f6rben zur Kelter gebracht werden, damit sich die Beeren nicht durch ihr Eigengewicht quetschen. Bei sehr steilen Weinbergen bleibt den Winzern meist gar nichts anderes \u00fcbrig als ihre Erntehelfer mit der Traubenschere in den Wingert zu schicken. Dagegen betrachten viele Liebhaber die Erntemaschine abf\u00e4llig als Merkmal einer Massenproduktion. Undenkbar, dass ein teurer Eiswein mit der Maschine gelesen wurde (wie es jedoch sehr oft der Fall ist!).<\/p>\n Die modernen Erntemaschinen, mit denen die reifen Beeren mit einstellbaren R\u00fcttelst\u00e4ben von den Rebst\u00f6cken geschlagen und aufgefangen werden, k\u00f6nnen aber eine sehr schonende Ernte gew\u00e4hrleisten. Manche Modelle, wie die der Firma Pellenc, k\u00f6nnen sogar mit einem optischen System Trauben selektieren \u2013 ein wichtiger Schritt bei der Qualit\u00e4tsweinbereitung. Im gleichen Arbeitsgang werden die Trauben entrappt, also von den Stielen getrennt. Sie k\u00f6nnen sofort in die Kelter gef\u00fcllt werden. Wer Erntemaschinen einsetzt, spart Personal. W\u00e4hrend bei der Handlese pro Hektar rund 250 Arbeitsstunden anfallen, die 30 Helfer an einem Arbeitstag leisten k\u00f6nnen, schafft eine Erntemaschine die gleiche Fl\u00e4che mit weniger als zehn Entladungen in wenigen Stunden. Kosten von 1.800 bis 2.500 Euro pro Hektar bei der Handlese stehen 550 bis 600 Euro bei der Maschinenlese gegen\u00fcber. Mehr noch als die Personalersparnis z\u00e4hlt der Zeitvorteil. In manchen Jahren kommt es darauf an, extrem schnell lesen zu k\u00f6nnen, wenn etwa feuchtes und warmes Wetter f\u00fcr hohen Krankheitsdruck (F\u00e4ulnis) sorgt. Solche \u201eBlitzlesen\u201c w\u00e4ren ohne Erntemaschinen unm\u00f6glich. Die Maschinen k\u00f6nnen auch nachts oder in den fr\u00fchen Morgenstunden ihre Arbeit vollbringen, wenn es k\u00fchl ist. Das schont die Trauben ebenfalls. Sogar Steillagen k\u00f6nnen mit Erntemaschinen bearbeitet werden. Eine Firma in Piesport an der Mosel hat ein spezielles Modell mit Raupen entwickelt, das zur Lese 2016 erstmals eingesetzt wurde. Die Maschine wird durch ein Stahlseil gesichert und kann einen Hektar in drei bis vier Stunden abernten.<\/p>\n Doch Maschinen machen den Menschen im Weinbau nicht \u00fcberfl\u00fcssig. Optimale Ergebnisse mit der Erntemaschine erzielt, wer vorher per Hand ungeeignete Trauben entfernt hat. Der Klimawandel<\/a> wird jedoch bald ein Umdenken erforderlich machen, etwa indem die Ernte zuk\u00fcnftig weitgehend nachts stattfindet. Hier sind die Maschinen klar im Vorteil, auch weil sie flexibler eingesetzt werden k\u00f6nnen als Erntemannschaften. Schon jetzt sagen Fachleute, dass die Qualit\u00e4tsunterschiede zwischen \u201emaschinengelesenen\u201c und \u201ehandgelesenen\u201c Weinen statistisch nicht absicherbar sind. Voraussetzung ist, dass gesundes Traubenmaterial geerntet wird. Ein Winzer in der Pfalz wird allerdings die Erntemaschinen verfluchen: Unbekannte haben ihm vor einigen Jahren bei Nacht und Nebel seinen Weinberg maschinell abgeerntet und 2.500 Kilogramm Trauben erbeutet. Die Trauben an den Rebzeilenenden lie\u00dfen sie zur Tarnung h\u00e4ngen.<\/p>\nErntemaschinen: schnell, flexibel, g\u00fcnstig<\/strong><\/h2>\n
Mensch und Maschine: Hand in Hand im Weinbau<\/strong><\/h2>\n