{"id":3316,"date":"2018-03-28T16:18:21","date_gmt":"2018-03-28T14:18:21","guid":{"rendered":"http:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/?p=3316"},"modified":"2018-08-22T13:53:01","modified_gmt":"2018-08-22T11:53:01","slug":"brexit-milchwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/milch_und_liquid_food\/brexit-milchwirtschaft\/","title":{"rendered":"Die Zukunft der Milchwirtschaft: Der Brexit wird h\u00e4rter als erwartet"},"content":{"rendered":"

Der Brexit betrifft alle Wirtschaftsbereiche: Auch die Milchindustrie wird vom Ausstieg der Briten aus der Europ\u00e4ischen Union stark betroffen sein. Es sei denn, bei den Protagonisten kehrt am Ende doch noch Besonnenheit ein. Dies scheint jedoch derzeit ein Ding der Unm\u00f6glichkeit. Denn die EU will partout einen Pr\u00e4zedenzfall schaffen, der jedem anderen Mitgliedsstaat auch nur den fl\u00fcchtigen Gedanken an einen Austritt verdirbt.<\/strong><\/p>\n

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Folgen f\u00fcr die Milchwirtschaft: Brexit schlimmer als das russische Embargo<\/strong><\/h2>\n

Milchwirtschaftlich betrachtet d\u00fcrften die Folgen eines harten Brexits die Auswirkungen des russischen Einfuhrembargos 2013 f\u00fcr westliche Nahrungsmittel bei weitem \u00fcbertreffen. Die EU hatte vorher j\u00e4hrlich circa 260.000 Tonnen K\u00e4se nach Russland verkauft. 2016 beliefen sich die K\u00e4seexporte der kontinentalen EU-L\u00e4nder nach Gro\u00dfbritannien aber auf 466.000 Tonnen. Dazu kamen noch einmal 350.000 Tonnen Joghurterzeugnisse. Nach Berechnung des Europ\u00e4ischen Milchindustrie-Verbandes EDA<\/a> binden die Milch- und K\u00e4seexporte der EU-27 nach Gro\u00dfbritannien insgesamt sage und schreibe 3,9 Millionen Tonnen Milch. Das ist in etwa so viel wie ganz \u00d6sterreich im Jahr an Milch erzeugt. W\u00e4hrend es den europ\u00e4ischen Molkereien und K\u00e4sereien seinerzeit nach dem Russlandembargo relativ schnell gelungen ist, die Ware in andere M\u00e4rkte umzulenken, wird dies ab 2019, dem Jahr, in dem die Briten die EU verlassen, kaum m\u00f6glich sein.<\/p>\n

Schwerwiegende Marktverwerfungen zu erwarten<\/strong><\/h2>\n

Es drohen also schwerwiegende Marktverwerfungen. Diese werden aber bei weitem nicht nur die Bauern und Milchunternehmen auf dem Kontinent treffen, sondern auch die Menschen in Gro\u00dfbritannien. Insgesamt erzeugt Gro\u00dfbritannien n\u00e4mlich nicht ausreichend Milch und K\u00e4se f\u00fcr den Eigenbedarf. Diese L\u00fccke wurde traditionell \u00fcber Importe geschlossen. Nach dem Brexit wird es f\u00fcr die Briten schwieriger, den Ausgleich zu finden. Es sei denn, sie wollen europ\u00e4ische Spezialit\u00e4ten mit Commodities aus Neuseeland und den USA ersetzen. Au\u00dferdem drohen f\u00fcr allf\u00e4llige Importe bestimmter origin\u00e4rer Produkte aus der EU enorme Zolls\u00e4tze gem\u00e4\u00df WTO, sollten die EU und Gro\u00dfbritannien keine Einigung finden. Die Mehrausgaben pro Kopf w\u00fcrden sich f\u00fcr Gro\u00dfbritannien laut Sch\u00e4tzungen der EDA auf umgerechnet 18 Euro pro Jahr belaufen, wenn die dortigen Verbraucher weiterhin EU-Molkereiprodukte<\/a> verzehren wollen. Es ist klar, dass ab Mitte 2019, kommt es hart auf hart, angesichts des relativ niedrigen britischen Durchschnittsverdienstes kaum noch EU-Ware in den Handelsregalen auf Kunden warten w\u00fcrde.<\/p>\n

Brexit l\u00e4sst viele Fragen offen<\/strong><\/h2>\n

Fraglich ist im Moment auch, ob es ab 2019 \u00fcberhaupt einen Warenverkehr zwischen der EU und Gro\u00dfbritannien im Bereich Lebensmittel geben kann. Denn dieser w\u00fcrde eine gegenseitige Vereinbarung auf bestimmte Standards voraussetzen. Bei einem harten Brexit w\u00fcrde es keine solchen Abmachungen geben. Auch auf der rechtlichen Seite gelagert, kommt ein weiteres Problem auf. Kontinentaleurop\u00e4ische Unternehmen m\u00fcssten sich Marken, Gebrauchsmuster und vieles mehr in Gro\u00dfbritannien komplett neu sch\u00fctzen lassen, da ja das tragende Ger\u00fcst der gemeinsamen Markt- und Rechtsordnung wegf\u00e4llt.<\/p>\n

Und dann ist \u00fcber eine irisch-nordirischen Grenzregelung noch gar nicht gesprochen \u2013 bei einem harten Austritt d\u00fcrfte diese Merkmale der damaligen Zonengrenze in Deutschland bekommen.<\/p>\n

Insgesamt erscheint der Brexit wie ein gordischer Knoten, bei dem ein Durchschlagen die Dinge nur noch verschlimmern w\u00fcrde. Selbst in einer zweij\u00e4hrigen \u00dcbergangsfrist ab 2019 wird es fast unm\u00f6glich, f\u00fcr beide Seiten, Gro\u00dfbritannien und EU, tragbare Regelungen auszuhandeln. Bedauerlicherweise ist die Milchwirtschaft aufgrund der gro\u00dfen Bedeutung des britischen Marktes in einer extrem empfindlichen Lage. Es drohen enorme Marktverwerfungen, wenn sich die britische Regierung und die EU nicht rechtzeitig im Sinne von Verbrauchern und Wirtschaft einigen.<\/p>\n