{"id":3287,"date":"2018-03-08T18:50:28","date_gmt":"2018-03-08T17:50:28","guid":{"rendered":"http:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/?p=3287"},"modified":"2018-08-29T15:45:04","modified_gmt":"2018-08-29T13:45:04","slug":"kunststoffe-flaschen-reise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/alkoholfreie-getraenke\/kunststoffe-flaschen-reise\/","title":{"rendered":"Kunststoffe: Wohin geht die Flaschen-Reise?"},"content":{"rendered":"

\u201eWenn wir nicht die Art und Weise \u00e4ndern, wie wir Kunststoffe herstellen und verwenden, wird 2050 in unseren Ozeanen mehr Plastik schwimmen als Fische\u201c, r\u00fcttelt Frans Timmermans, erster Vizepr\u00e4sident und EU-Kommissar f\u00fcr Bessere Rechtssetzung, interinstitutionelle Beziehungen, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechtecharta in der Kommission Juncker, auf. <\/strong><\/p>\n

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Vor dem Hintergrund, dass allein in Europa jedes Jahr 25 Millionen Tonnen Kunststoffabf\u00e4lle erzeugt und davon weniger als 30 Prozent f\u00fcr das Recycling gesammelt werden, ist das Szenario 2050 durchaus vorstellbar. Mit Hilfe einer neuen EU-weiten Strategie f\u00fcr Kunststoffe wird dieses Thema nun angegangen. Gem\u00e4\u00df neuer Planungen sollen ab 2030 s\u00e4mtliche Kunststoffverpackungen auf dem EU-Markt recyclingf\u00e4hig sein. Ein wesentlicher Schritt, der von einem Umdenken \u2013 auch innerhalb der Getr\u00e4nkebranche und hier bei Kunststoff-Getr\u00e4nkeflaschen \u2013 zu begleiten ist.<\/p>\n

Stark wachsender Markt f\u00fcr Biokunststoffe<\/strong><\/h2>\n

Biokunststoffe<\/a> erhalten in diesem Zusammenhang ein immer gr\u00f6\u00dferes Forum. Allein in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren soll der Markt f\u00fcr Biokunststoffe um 20 Prozent wachsen. Vom Verband European Bioplastics wird demnach ein Anstieg der weltweiten Produktionskapazit\u00e4ten f\u00fcr Biokunststoffe von ca. 2,05 Millionen Tonnen 2017 auf etwa 2,44 Millionen Tonnen 2022 prognostiziert. \u201eNicht zuletzt tragen das gesteigerte Verbraucherbewusstsein f\u00fcr nachhaltige Produkte und Verpackungen zu dem Wachstum bei\u201c, meint Francois de Bie, Vorsitzender von European Bioplastics.<\/p>\n

Gr\u00f6\u00dfen der AFG-Branche<\/a><\/strong>\u00a0denken strategisch<\/strong><\/h2>\n

Zahlreiche Gr\u00f6\u00dfen der Getr\u00e4nkebranche stehen dem Trend zu Biokunststoffen \u00e4u\u00dferst positiv gegen\u00fcber. So m\u00f6chte PepsiCo beispielsweise den Einsatz von biobasierten Materialien erh\u00f6hen und bis 2025 nur noch recyclingf\u00e4hige oder kompostierbare Verpackungen verwenden. \u201eBiokunststoffe sind die Schl\u00fcsselelemente unserer nachhaltigen Verpackungsstrategie\u201c, meint dazu Sandeep Kulkarni, Senior Principal Scientist bei PepsiCo.<\/p>\n

Geplante gemeinsame Aktion von Danone und Nestl\u00e9 Waters: bis 2020 eine Getr\u00e4nkeflasche aus 100 Prozent biobasiertem PET in den Markt bringen. Dazu haben sich die beiden Gr\u00f6\u00dfen mit Origin Materials zur NaturAll Bottle Alliance zusammengefunden. Das Startup aus den USA entwickelte ein Verfahren, in dem Rohstoffe aus Lignocellulose, vor allem stammend aus Altpapier, S\u00e4gemehl und Holzchips, verarbeitet werden. Origin Materials m\u00f6chte aus der Biomasse Bio-PTA produzieren. Dieses soll die 70 Prozent an PTA im PET ersetzen. Derzeit wird dieses PTA nur aus fossilen Rohstoffen synthetisiert. Der zweite Bestandteil des PET, Monoethylenglycol, wird bereits aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen.<\/p>\n

PEF bietet zahlreiche Vorteile<\/strong><\/h2>\n

Dennoch, der Fokus der Branche scheint sich immer st\u00e4rker auf ein neues Polymer zu richten: PEF. PEF ist 100 Prozent biobasiert und weist im Vergleich zu PET verbesserte Barriere- sowie thermische Eigenschaften auf. Folge: In PEF-Flaschen abgef\u00fcllte alkoholfreie Getr\u00e4nke sind l\u00e4nger haltbar. Gleichzeitig d\u00fcrfen PEF-Flaschen d\u00fcnnwandiger sein als klassische PET-Flaschen, wodurch ein geringerer Anteil an Verpackungsmaterial ben\u00f6tigt wird.<\/p>\n

Um die Herstellung von PEF dreht sich alles im speziell daf\u00fcr etablierten Unternehmen Synvina, Amsterdam, einem von BASF und Avantium gegr\u00fcndeten Gemeinschaftsunternehmen zur Herstellung und Vermarktung von Furandicarbons\u00e4ure (FDCS) aus nachwachsenden Rohstoffen sowie zur Vermarktung des neuen Polymers Polyethylenfuranat (PEF) aus dem chemischen Baustein FDCS. Zur FDCS-Produktion wird Synvina das von Avantium entwickelte YXY-Verfahren nutzen, welches auf Fructose als nachwachsendem Rohstoff basiert. Ein wesentlicher Erfolg f\u00fcr das Unternehmen stellt die vorl\u00e4ufige Genehmigung der European PET Bottle Plattform (EPBP) zur Entsorgung der PEF-Flaschen \u00fcber vorhandene R\u00fcckgewinnungssysteme f\u00fcr PET dar. Diese Genehmigung gilt f\u00fcr die Menge an PEF, die mit Hilfe der beabsichtigten 50.000 Tonnen Referenzanlage von Synvina f\u00fcr FDCS hergestellt werden kann.<\/p>\n

Neue Kunststoffe: Alternative Ans\u00e4tze zur Herstellung <\/strong><\/h2>\n

Doch es gibt auch andere Ans\u00e4tze zur PEF-Herstellung als den von Synvina. Beispielsweise gewinnen Wissenschaftler der Universit\u00e4t Hohenheim<\/a> aus Chicor\u00e9e-Wurzelr\u00fcben ungereinigtes Hydroxymethylfurfural (HMF), das zur Herstellung von PEF-Flaschen verwendet werden kann. Und auch Forscher des Th\u00fcnen-Instituts f\u00fcr L\u00e4ndliche R\u00e4ume, Wald und Fischerei haben ein neues Verfahren entwickelt, mit dem sich HMF gewinnen l\u00e4sst. Sie verfolgen einen Ansatz, der auf einem neuartigen Extraktionsmittel namens Hexafluorisopropanol (HFIP) basiert. Laut Aussagen der Forscher l\u00e4sst sich mit HFIP im Gegensatz zu den bisher verwendeten Stoffen deutlich mehr HMF extrahieren. Von einer um die 90-prozentigen Ausbeute ist die Rede. Die Reaktion kann im L\u00f6semittel Wasser ablaufen. Der Siedepunkt von HFIP liegt bei 58 Grad Celsius. Es l\u00e4sst sich so nach der Reaktion energiesparend durch Destillation zur\u00fcckgewinnen. Auch die w\u00e4ssrige Reaktionsphase kann wiederverwendet werden.<\/p>\n

Interessant auch der Ansatz von Forschern der kalifornischen Standford University. Diese nutzen f\u00fcr die Herstellung des Grundstoffs FDCA (Furandicarboxyls\u00e4ure) \u201eungenie\u00dfbares Pflanzenmaterial\u201c, wie Gr\u00e4ser oder Abf\u00e4lle, die nach der Ernte \u00fcbrig geblieben sind, nebst Karbonat und CO2. Bei der Methode wird aus dem Pflanzenstoff Furan-2-Carbons\u00e4ure gewonnen, anschlie\u00dfend mit C\u00e4siumkarbonat, einem kohlenstoffhaltigen aus Kalkgestein gewonnenen Salz, vermischt und unter Zugabe von CO2 zum Schmelzen gebracht. Etwa f\u00fcnf Stunden dauert es, dann haben sich 89 Prozent der Schmelze in FDCA umgewandelt, das wiederum zu PEF verarbeitet werden kann.<\/p>\n

Zukunft bietet zahlreiche Optionen<\/strong><\/h2>\n

Es ist davon auszugehen, dass Forschungsaktivit\u00e4ten auch in Zukunft weitere M\u00f6glichkeiten zur Herstellung von Biokunststoffen erschlie\u00dfen werden, die f\u00fcr Getr\u00e4nkegebinde geeignet sind. Ob die gelernte PET-Flasche dabei mittel- bis langfristig eine Abl\u00f6sung erf\u00e4hrt oder es sich bei den neuen Kunststoff-Varianten eher um zus\u00e4tzliche Alternativen handeln wird, bleibt abzuwarten.<\/p>\n