{"id":3213,"date":"2018-01-22T10:24:01","date_gmt":"2018-01-22T09:24:01","guid":{"rendered":"http:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/?p=3213"},"modified":"2018-08-27T13:42:36","modified_gmt":"2018-08-27T11:42:36","slug":"russisches-bier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/bier\/russisches-bier\/","title":{"rendered":"Russisches Bier \u2013 Spezialit\u00e4ten \u00e0 la Tolstoi"},"content":{"rendered":"
Im gr\u00f6\u00dften Land der Erde weht ein frischer Wind durch die Braust\u00e4tten und Sudh\u00e4user. Trotz anhaltender Wirtschaftsprobleme entstehen in Russland derzeit viele neue Kreativ-Brauereien mit beachtlicher heimischer Sortenvielfalt. Besonders in hippen europ\u00e4ischen Stadtvierteln kommt russisches Bier gut an.\u00a0<\/strong><\/p>\n <\/p>\n Mit ihrem Welthit \u201eWinds of Change\u201c k\u00f6nnten die Scorpions inzwischen auch in der russischen Bierszene re\u00fcssieren. Das Land der B\u00e4ren und W\u00f6lfe erlebt gerade einen bisher nie dagewesenen Trend zu Spezialit\u00e4tenbieren. Vor allem in den Metropolen fegt ein neuer Wind durch die Gassen: Egal ob in Moskau, St. Petersburg oder am Ural, fast monatlich er\u00f6ffnen neue Boulevard-Brauereien, Craft Beer Kneipen, Bars und Shops ihre Pforten. Und in den Gro\u00dfst\u00e4dten des Landes feiern die Einwohner mittlerweile Bierfestivals mit Besuchern aus der ganzen Welt, die extra f\u00fcr den russischen Bier-Genuss anreisen.<\/p>\n Nach dem Fall der Sowjetunion \u00fcberschwemmten internationale Bier-Giganten den Markt mit preiswerten Standardbieren. Fast t\u00e4glich liefen zu dieser Zeit tausende Finnen und Schweden zu preiswerten Trinkgelagen nach St. Petersburg ein. Selbst renommierte russische Brauereien, wie etwa die St. Petersburger Baltika mit einem Sortiment von \u00fcber 20 Bierstilen, wurden von Industrie-Giganten wie Carlsberg aufgekauft. Nach der Annexion der Halbinsel Krim und dem darauffolgenden Wirtschaftsboykott des Westens, fiel der Rubelkurs und ausl\u00e4ndische Biere wurden f\u00fcr Normalverbraucher fast unbezahlbar. Doch jetzt pr\u00e4sentieren sich immer mehr Jungbrauer mit regionalen Bierschmieden und speziellen Suden. Dank dem noch immer relativ g\u00fcnstigen Rubel erleben die Russen gerade eine echte Bier-Revolution. Marktforscher bekr\u00e4ftigen, dass die Nachfrage nach heimischem Bier \u2013 vor allem bei j\u00fcngeren Konsumenten \u2013 inzwischen gr\u00f6\u00dfer sei als das Angebot.<\/p>\n Eine der ersten modernen Spezialit\u00e4ten-Brauereien in Moskau hei\u00dft \u201eZagovor\u201c. Nahe dem Kreml und des Roten Platzes hat sie sich in k\u00fcrzester Zeit zur wahrscheinlich hippesten Bier-Location<\/a> im ganzen Land entwickelt. Mit angeschlossener Kneipe, 30 Zapfh\u00e4hnen und einem gutbest\u00fcckten Shop ziehen die individuellen Sude<\/a> der Russen inzwischen auch durstige Bierfans aus fernen L\u00e4ndern an. Vor knapp drei Jahren wurde \u201eZagovor\u201c, was \u00fcbersetzt so viel bedeutet wie \u201eVerschw\u00f6rung\u201c, von der Online-Bewertungsplattform \u201eRateBeer\u201c zur besten russischen Brauerei ausgezeichnet. Ihre vielf\u00e4ltigen Biere aromatisiert das Moskauer Brau-Team gern auch mit heimischen Zutaten wie frischen Beeren, Birken-Chips und einem bereits zur Zarenzeit ber\u00fchmten Brandy namens \u201eArarat\u201c. Vadim, einer der Gr\u00fcnder der Braust\u00e4tte, der sich wie seine Mitstreiter nur mit Vornamen ansprechen l\u00e4sst, ist \u00fcberzeugt: \u201eDer Markt f\u00fcr Spezialit\u00e4tenbiere ist in Russland in k\u00fcrzester Zeit geradezu explodiert und wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort.\u201c<\/p>\n Aber nicht nur im eigenen Land genie\u00dfen die Moskauer ihren Erfolg. Seit vergangenem Jahr gehen ihre Biere inzwischen auch \u00fcber die Theke einer Bierbar im Berliner Szeneviertel Friedrichshain. Im \u201eProtokoll\u201c gibt es 24 Zapfh\u00e4hne, in denen kunstvoll H\u00f6lzer, Zapfen und Zweige aus den W\u00e4ldern Russlands eingebaut sind. Nicht unbekannt in der deutschen Hauptstadt sind auch die russischen Trendsetter Nikita Filippov, Dmitry Buldakov und Artem Kolchukov von \u201eAF Brew\u201c \u2013 AF steht f\u00fcr Anti-Factory. Sie brauten vor drei Jahren ein gemeinsames India Pale Ale mit der Berliner Bierfabrik. \u201eDas war unser aller erster Kollaborationssud \u00fcberhaupt\u201c, erz\u00e4hlt Filippov stolz. Prinzipiell setzen die drei Macher aus St. Petersburg aber auf regionale Rohstoffe. Ganz nach heimischen Geschmack w\u00fcrzten sie einen Sud mit speziell ger\u00f6steten schwarzen Salz.<\/p>\n Zur Avantgarde in Russland z\u00e4hlen au\u00dferdem: Die \u201eVasileostrovskaya\u201c-Brauerei auf der Wassiljewski-Insel im Herzen von Sankt Petersburg sowie die \u201eVictory Art Brew\u201c, nord\u00f6stlich von Moskau gelegen \u2013 neben weiteren Bierschmieden in abgelegenen Regionen. Aber selbst im Herzen des Urals, in Jekaterinburg, entstand ein funkelnagelneues Brauzentrum, das von der \u201eJaws Brewery\u201c betrieben wird und als Vorl\u00e4ufer der Bierbewegung am Rande Sibiriens gilt. Die Jaws-Brauer halten sich strikt an eine Weisheit des ber\u00fchmten Schriftstellers und Philosophen Lew Tolstoi, der sich schon vor 150 Jahren zu den heimischen russischen Bieren bekannte: \u201eMan kann ohne Liebe Holz hacken, Eisen schmieden und Ziegel formen, aber Bier brauen ohne Liebe kann man nicht.“<\/p>\nWas der pl\u00f6tzliche russische Bier-Trend mit dem Fall der Sowjetunion zu tun hat <\/strong><\/h2>\n
Von Beeren \u00fcber Birken-Chips bis Brandy: Das bietet die hippeste Bier-Bar Zagovor in Moskau <\/strong><\/h2>\n
Exportschlager russisches Bier auch in Berliner Szeneviertel angekommen<\/strong><\/h2>\n