{"id":3200,"date":"2018-01-12T15:33:09","date_gmt":"2018-01-12T14:33:09","guid":{"rendered":"http:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/?p=3200"},"modified":"2018-08-29T15:46:48","modified_gmt":"2018-08-29T13:46:48","slug":"eu-etiketten-vereinheitlichung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/wein\/eu-etiketten-vereinheitlichung\/","title":{"rendered":"Verbraucherinformationen auf Wein-Etiketten \u2013 EU dr\u00e4ngt auf Vereinheitlichung"},"content":{"rendered":"

Alkoholische Getr\u00e4nke und Weine genie\u00dfen seit jeher eine Sonderstellung, was das Bezeichnungsrecht anbelangt. Nicht anders stellt sich die Ausnahmeposition dar, was die Nennung von N\u00e4hrwerten und Zutaten betrifft. Doch mit den Ausnahmen k\u00f6nnte bald Schluss sein: W\u00e4hrend sich die weltweit gr\u00f6\u00dften Brauereien schon darauf geeinigt haben, bestimmte Informationen auf die Etiketten zu drucken, visiert nun auch die EU-Kommission bei alkoholischen Getr\u00e4nken eine Vereinheitlichung der Kennzeichnung an, die den obligatorischen Angaben bei Lebensmitteln entspricht. <\/strong><\/p>\n

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Die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) regelt seit 13. Dezember 2014 in allen Mitgliedstaaten der Europ\u00e4ischen Union, wie der Verbraucher \u00fcber Inhaltsstoffe und Zutaten auf Verpackungen und Etiketten von Lebensmitteln informiert werden muss. Die entsprechende Durchf\u00fchrungsverordnung der LMIV gilt seit Juli 2017 auch in Deutschland<\/a> und ersetzt die bisherige nationale Regelung. H\u00f6chste Zeit f\u00fcr die Branche, sich Gedanken zu machen, wie sie den gesetzlichen Anforderungen entsprechen will.<\/p>\n

Branchen-Vorschlag zur Kennzeichnung von Inhaltsstoffen gefragt<\/strong><\/h2>\n

Bis M\u00e4rz 2018 gibt die EU-Kommission der Branche die M\u00f6glichkeit, einen eigenen Vorschlag zur Informationsverordnung bei Wein, Sekt, Bier und anderen alkoholischen Getr\u00e4nken in ganz Europa einzureichen. Dabei wird es eine Herausforderung werden, die unterschiedlichen Vorstellungen der verschiedenen alkoholischen Getr\u00e4nkehersteller zu vereinen. Die Weinbranche argumentiert beispielsweise, dass Wein ein traditionelles Produkt darstellt, die analytischen Werte gar nicht so unterschiedlich und die Verbraucher auch ausreichend \u00fcber die Inhaltstoffe informiert seien. Dagegen argumentiert die Bier-Lobby mit dem Reinheitsgebot und der ohnehin schon gepflegten Kennzeichnung der Zutaten, dass Bier aus Wasser, Malz und Hopfen bestehe. Die drei weltweit gr\u00f6\u00dften Brauereien – Heineken, Anheuser-Busch InBev und SAB Miller – haben sich inzwischen darauf verst\u00e4ndigt die Kalorienangabe freiwillig auf die Etiketten<\/a> zu drucken und bringen damit ihre deutschen Kollegen unter Druck, die bisweilen noch abwarteten. Bis dato sieht es nicht danach aus, als g\u00e4be es bis M\u00e4rz weder national noch auf europ\u00e4ischer Ebene eine Verst\u00e4ndigung \u00fcber die unterschiedlichen Auffassungen.<\/p>\n

Frist f\u00fcr Branche verstreicht im M\u00e4rz \u2013 dann entscheidet EU-Kommission <\/strong><\/h2>\n

\u00dcber allem h\u00e4ngt das Damoklesschwert der EU-Kommission: Wenn bis M\u00e4rz 2018 kein gemeinsamer Vorschlag aus der Branche eingegangen ist, ergreift die EU-Kommission selbst die Initiative und erlegt der Branche eine Regelung nach ihren Vorstellungen auf. Eine ganz ma\u00dfgebliche Rolle spielen dabei auch die Verbraucherverb\u00e4nde und deren Vertreter. Diese fordern seit langem die Angabe der wichtigsten Inhaltsstoffe und Zutaten \u2013 vor allem aus einer gesundheitlichen Perspektive heraus: Sie argumentieren, dass der Konsum alkoholischer Getr\u00e4nke einen nicht zu untersch\u00e4tzenden Einfluss auf die Ern\u00e4hrung der Konsumenten hat.<\/p>\n

Kennzeichnung von Wein: Das Ma\u00df zwischen informieren und abschrecken finden<\/strong><\/h2>\n

Neben der Angabe von Jahrgang, Rebsorte und Herkunft k\u00f6nnten auch die \u201eBig 7\u201c der N\u00e4hrwertangaben und Inhaltsstoffe stehen. Dazu z\u00e4hlen der Kaloriengehalt und die Werte f\u00fcr Fett, ges\u00e4ttigte Fetts\u00e4uren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiwei\u00df und Salz. Ganz besonders schwierig wird f\u00fcr die Weinbranche das Thema der Kennzeichnung m\u00f6glicher Zusatzstoffe. Die Vielzahl erlaubter Behandlungsma\u00dfnahmen, bei denen teilweise Stoffe im Wein verbleiben, zum Teil aber auch Stoffe ausgetauscht, vermehrt oder vermindert werden, er\u00f6ffnet ein weites Feld, das viele Verbraucher verunsichern k\u00f6nnte. Schon die Angabe, dass ein Wein nur aus Trauben, ein anderer aber aus Trauben plus Zucker und S\u00e4uren und der Zugabe von s\u00fc\u00dfem Traubenmost bereitet wurde, stellt Vertreter der Weinbau- und Kellereiverb\u00e4nde vor eine gro\u00dfe Herausforderung. Nicht ganz zu Unrecht, wie die Marktforscher Simone Loose und Gergely Szolnoki von der Hochschule Geisenheim<\/a>, Institut f\u00fcr Betriebswirtschaft und Marktforschung, in ihren Studien herausfanden. Werden Konsumenten mit zu vielen Angaben \u00fcber Zutaten auf dem R\u00fcckenetikett konfrontiert, w\u00e4chst die Verunsicherung und der Konsument greift tendenziell eher zu einer anderen Flasche.<\/p>\n

Die neuen Kennzeichnungspflichten werden von einer noch viel weitergehenden Diskussion befeuert \u2013 Stichwort Verpackung und Etikettierung: Welche und wie viele Anteile der Verpackung oder Etikettierung eines Nahrungs- oder Genussmittels d\u00fcrfen sachlicher oder werbender Information dienen? F\u00fcr die Getr\u00e4nkebranche bleibt die Produktkennzeichnung in jeder Art und Form, ob auf Weichverpackungen, Plastik- oder Glasflaschen, auch in Zukunft ein spannendes Thema und wird die Gestaltung und Herstellung verkaufsf\u00e4higer Produkte weiter vorantreiben.<\/p>\n