{"id":1108,"date":"2016-08-19T12:00:59","date_gmt":"2016-08-19T10:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/?p=1108"},"modified":"2018-08-29T18:10:35","modified_gmt":"2018-08-29T16:10:35","slug":"ist-eigentlich-craft-bier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/bier\/ist-eigentlich-craft-bier\/","title":{"rendered":"Was ist eigentlich Craft-Bier?"},"content":{"rendered":"
Weltweit entsteht gerade eine neue Bierkultur. Fast \u00fcberall auf dem Globus entwickeln junge Brauer besondere Rezepturen oder greifen wieder uralte Braustile auf. Sie nehmen den Kampf gegen die Einheitsbiere der Braugiganten auf. Ihre Zauberworte hei\u00dfen Mut, Charakter und Kreativit\u00e4t. Seit rund drei Jahren herrscht auch hierzulande eine starke Dynamik. Durch den Aufschwung er\u00f6ffnen im ganzen Land neue Kneipen, Caf\u00e9s und Szene-Bars. Auch Top-Restaurants legen neuerdings Bierkarten aus und keine Woche vergeht hierzulande ohne eine kultige Bier-Veranstaltung. Aber: Craft-Biere sind keine Drinks f\u00fcr Kampftrinker, sondern f\u00fcr Genussmenschen.<\/p>\n
Fast 90 Prozent der deutschen Biere werden industriell hergestellt, was zu einem langweiligen Einheitsgeschmack f\u00fchrt. Craft-Bier wird in kleinen Mengen hergestellt und unterliegt meist einem manuellen Prozess. Ziel ist es, damit einen individuellen Geschmack zu entwickeln. Dieser Prozess beginnt bei der Rohstoff-Zugabe, geht \u00fcber die der Flaschenabf\u00fcllung bis zum eigenh\u00e4ndig aufgeklebten Etikett.<\/p>\n
Craft-Bier zeichnet sich durch die Experimentierfreude der meist jungen Brauer aus \u2013 die das Ziel verfolgen, ihre Kreationen authentisch, individuell und innovativ zu gestalten. Craft-Macher stehen mit Herzblut und Liebe an den Kesseln. Sie zaubern mit verschiedenen Rohstoffkombinationen aus Aromahopfen, besonderen Malzsorten und teilweise extra gezogenen Hefekulturen k\u00f6stliche Biere, die sogar nach Schokolade, Biskuit oder Fruchtbombe schmecken k\u00f6nnen. In den meisten F\u00e4llen ber\u00fccksichtigen sie dabei das deutsche Reinheitsgebot.<\/p>\n
Hopfen spielt die tragende Rolle bei der Aromavielfalt und ist die Seele vieler Craft-Biere. Er wird nicht mehr nur f\u00fcr die Herbe des Bieres verkocht, sondern besondere Aromasorten sollen f\u00fcr Duft und Geschmack sorgen. Au\u00dferdem kippen die Brauer deutlich mehr gr\u00fcnes Gold in den Sudkessel als bei den \u00fcblichen Supermarkt-Sorten. Dadurch schaffen sie eine kr\u00e4ftigere Bittere und D\u00fcfte sowie Geschm\u00e4cker von Maracuja \u00fcber Grapefruit bis hin zu Litschi oder Ananas. Das Aromen-Spielfeld ist riesig. Weltweit wachsen mehr als 200 Hopfensorten. Eines der gr\u00f6\u00dften Anbaugebiete liegt in der bayerischen Hallertau.<\/p>\n
Unter rund 5000 Biersorten stechen einige Typologien besonders heraus. Inzwischen werden l\u00e4ngst vergessene Sorte wiederentdeckt: Imperial Stout, ein dunkles malziges Bier mit oft mehr als zehn Prozent Alkohol, das bereits die russischen Zaren liebten. Oder der alte belgische Stil \u201eSaison\u201c, der damals in den Wintermonaten eingebraut, k\u00fchl gelagert und im Sommer von den Feldarbeitern getrunken wurde. Jedem Arbeiter standen f\u00fcnf Liter pro Tag zu. Aber der bedeutendste Stil f\u00fcr Craft-Biere ist wohl das India Pale Ale (IPA). Seinen Ursprung hat dieses stark gehopfte Bier in den indischen Kronkolonien des 19. Jahrhunderts. Die Brauer mussten das Bier mit mehr Hopfen und einem h\u00f6heren Alkoholgehalt versetzen, um eine l\u00e4ngere Haltbarkeit f\u00fcr weite Seereisen von England nach Indien zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n
Bei Craft-Bieren kostet manchmal eine einzige Flasche mehr wie ein ganzer Kasten im Supermarkt. Craft-Bier ist teurer, allein wegen besonders ausgew\u00e4hlter, edler Rohstoffe, dem handwerklichen Verfahren und der exklusiven, monatelangen Lagerung. Diese erfolgt bei manchen Sorten sogar in alten Whisky- oder Cognac-F\u00e4ssern. Der Verbraucher sollte sich bei Craft-Bier bewusst sein, dass er ein Genuss-Produkt im Glas hat, das sich nicht zum Komatrinken eignet. Aber Vorsicht: Ein Bier, das mehr als zehn Euro kostet, ist auch nicht immer seinen Preis wert.<\/p>\n