{"id":10669,"date":"2022-06-28T11:45:19","date_gmt":"2022-06-28T09:45:19","guid":{"rendered":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/?p=10669"},"modified":"2022-06-28T14:17:19","modified_gmt":"2022-06-28T12:17:19","slug":"emissionsfrei-in-die-zukunft-kosten-strategie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/drinktec-blog.b-rex.de\/de\/bier\/emissionsfrei-in-die-zukunft-kosten-strategie\/","title":{"rendered":"Emissionsfrei in die Zukunft. Kosten? Strategie?"},"content":{"rendered":"\n
Die alte Bundesregierung hat sich im Rahmen des \u201eKlimaschutzprogramms 2030<\/a>\u201c auf eine CO2<\/sub>-Bepreisung f\u00fcr fossile Brennstoffe festgelegt. Diese gilt seit 2021 und steigt in einem fixierten Rahmen bis 2025 j\u00e4hrlich an. Welche Kosten kommen damit auf Brauereien und M\u00e4lzereien zu? Die Autoren Matthias Kern und Georg Schu, Ingenieurb\u00fcro f\u00fcr Energie- und Umwelttechnik, zeigen Strategien zur Reduktion der Kosten auf.<\/strong><\/p>\n\n\n\n Energieintensive Unternehmen wie Brauereien und M\u00e4lzereien sind unmittelbar von der CO2<\/sub>-Bepreisung<\/a> betroffen. F\u00fcr die Betriebe ist es essentiell, die anfallenden Mehrkosten der kommenden Jahre zu kennen und L\u00f6sungswege aufgezeigt zu bekommen, wie sie diese Kosten, bei gleichzeitiger Verbesserung der eigenen Umweltbilanz, reduzieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n Pro Tonne CO2<\/sub>-Aussto\u00df waren von Unternehmen im Jahr 2021 25 EUR zu bezahlen. Das ergab bei der Nutzung von Erdgas unter Ber\u00fccksichtigung des spezifischen Emissionsfaktors in etwa 0,5 ct\/kWh.<\/p>\n\n\n\n Eine Brauerei mit einem j\u00e4hrlichen Brennstoffverbrauch von beispielsweise 5 Mio kWh wurde folglich mit Mehrkosten von etwa 25\u2009000 EUR belastet. Bei Verwendung von leichtem Heiz\u00f6l (mit h\u00f6herem spez. Emissionsfaktor) h\u00e4tten sich rund 33\u2009000 EUR ergeben. Die CO2<\/sub>-Bepreisung steigt aber j\u00e4hrlich an. F\u00fcr 2022 liegt der Preis bereits bei 30 EUR\/t, im Jahr 2025 werden 55 EUR\/t erreicht.<\/p>\n\n\n\n Im genannten Beispiel l\u00e4gen die Mehrkosten im Jahr 2025 dann bei etwa 55\u2009000 EUR (Erdgas) bzw. 73\u2009000 EUR (Heiz\u00f6l). Allein der Umstieg von Heiz\u00f6l extra leicht auf das etwas klimafreundlichere Erdgas w\u00fcrde sich also bereits nur aufgrund der h\u00f6heren CO2<\/sub>-Abgabe amortisieren.<\/p>\n\n\n\n Nach 2025 m\u00fcssen die Verschmutzungsrechte per Auktion ersteigert werden. Mit dem Wechsel der Bundesregierung und den versch\u00e4rften Klimazielen ist mit weiter steigenden Preisen zu rechnen. Ob und in welcher H\u00f6he Entlastungen (z.\u2009B. Reduzierung der EEG-Umlage) die Situation entspannen werden, ist offen.<\/p>\n\n\n\n Auf Grundlage statistischer Daten lassen sich spezifische und absolute Mehrkosten f\u00fcr Brauereien unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfenordnung absch\u00e4tzen bzw. hochrechnen. Auf das Jahr 2019 bezogen (2020 und 2021 waren Ausnahmejahre), produzierten gut 1550 deutsche Brauereien etwas mehr als 86 Mio hl Bier. Fast 75 Prozent der Bierproduktion entfallen dabei auf Brauereien mit einem Jahresaussto\u00df >\u2009500\u2009000 hl. Insgesamt werden ca. 2,2 TWh\/a an W\u00e4rme und 1,0 TWh\/a an Strom ben\u00f6tigt. Nimmt man vereinfachend an, dass alle Betriebe mit Erdgas versorgt werden und f\u00fcr den verbrauchten Strom der deutsche Strommix gilt (0,408\u2009t CO2<\/sub>\/MWh 2019), ergibt sich f\u00fcr deutsche Brauereien damit ein CO2<\/sub>-Aussto\u00df in H\u00f6he von ca. 445\u2009000 t\/a (Erdgas) bzw. 413\u2009000 t\/a (Strom). In Summe liegt der Aussto\u00df an CO2<\/sub> damit bei \u00fcber 850\u2009000 t\/a. Hinzu kommen noch Emissionen durch K\u00e4ltemittelverluste und Kraftstoffverbr\u00e4uche. Vor- und nachgelagerte Prozesse sind in dieser Absch\u00e4tzung nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n Teilt man nun die Braubetriebe in unterschiedliche Aussto\u00dfklassen ein und setzt statistische Bedarfswerte f\u00fcr die einzelnen Betriebsgr\u00f6\u00dfen ein, so ergeben sich Kurven, anhand derer sowohl die spezifischen als auch die absoluten Mehrkosten durch CO2<\/sub>-Bepreisung f\u00fcr den eigenen Betrieb in den Jahren 2021 und 2025 abgesch\u00e4tzt werden k\u00f6nnen. Es f\u00e4llt auf: je h\u00f6her die Produktion, desto geringer die spezifischen Mehrkosten (Abb. 1). Eine Brauerei mit einem Jahresaussto\u00df von ca. 10\u2009000 hl\/a muss im Jahr 2025 mit ca. 75 ct\/hl an Mehrkosten rechnen, eine Brauerei mit 1 Mio hl\/a muss nur mit 23 ct\/hl kalkulieren. Absolut betrachtet bezahlt eine Gro\u00dfbrauerei nat\u00fcrlich mehr f\u00fcr die CO2<\/sub>-Emissionen, aber auch hier flacht die Kurve entsprechend ab (Abb. 2). Der Betrieb mit 10\u2009000 hl\/a muss mit einem hohen vierstelligen Betrag rechnen, die Gro\u00dfbrauerei (1 Mio hl\/a) mit mehr als 200\u2009000 EUR\/a.<\/p>\n\n\n\n Nicht nur die Mehrkosten durch CO2<\/sub>-Bepreisung sind relevant. Das Ziel sollte ja langfristig das Erreichen der Klimaneutralit\u00e4t sein. Wichtig ist es also, die eigenen Energieverbr\u00e4uche langfristig zu senken. Hierzu muss man zuerst den Ist-Zustand des eigenen Betriebes kennen. CO2<\/sub>-Footprints<\/a> sind hierf\u00fcr ein geeignetes Werkzeug. Anhand von national und international anerkannten Standards l\u00e4sst sich der eigene Klimafu\u00dfabdruck ermitteln \u2013 sowohl als absoluter Wert als auch spezifisch (z.\u2009B. in kg CO2<\/sub>\/hl).<\/p>\n\n\n\n Weltweit anerkannte Standards sind z.\u2009B. die DIN EN ISO 14064 oder das Greenhouse Gas Protocol<\/a>, das vom World Resources Institute<\/a> und dem World Business Council for Sustainable Development<\/a> entwickelt wurde. Der Umfang der zu beurteilenden Emissionen wird dort in drei Kategorien eingeteilt \u2013 Scope 1 bis 3<\/a> (Abb. 3).<\/p>\n\n\n\n Scope 1 beinhaltet dabei alle Emissionen, die im Unternehmen selbst entstehen. Im Wesentlichen sind dies Emissionen durch das Verbrennen von Brennstoffen und Kraftstoffen sowie K\u00e4ltemittelverluste. In Scope 2 werden dann zus\u00e4tzlich auch noch betriebsexterne Emissionen durch Energieumwandlung mitbetrachtet, also etwa zugekauften Fremdstrom oder Bezug von Fernw\u00e4rme. Scope 3 bezieht die komplette vor- und nachgelagerte Wertsch\u00f6pfungskette in die Gesamtbetrachtung mit ein. Scope 1 und 2 m\u00fcssen bei einer Bilanzierung nach offizieller Norm in jedem Fall enthalten sein. Dies wird beispielsweise auch bei Zertifizierungen vorausgesetzt. Scope 3 wird auf freiwilliger Basis durchgef\u00fchrt, wobei eine Komplettbetrachtung extrem aufw\u00e4ndig sein kann. Sinnvoll kann es aber durchaus sein, bestimmte Bereiche, die f\u00fcr den Betrieb relevant sind, genauer untersuchen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n Ausgehend von dem ermittelten Ist-Zustand sollte ein Ma\u00dfnahmenplan entwickelt werden, der mittel- und langfristige Ziele benennt. In vielen F\u00e4llen erscheint daf\u00fcr die Zuhilfenahme eines oder mehrerer externer Experten sinnvoll. F\u00fcr solche Energieberatungen zur kurz- und mittelfristigen Energieeinsparung gibt es beim Bundesamt f\u00fcr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle<\/a> (BAFA) die M\u00f6glichkeit einer F\u00f6rderung in H\u00f6he von 80 Prozent (aber maximal 6000 EUR).<\/p>\n\n\n\n Im November 2021 wurde vom selben F\u00f6rdergeber ein zus\u00e4tzliches Programm aufgelegt, das Transformationskonzepte f\u00f6rdert, also strategische Konzepte, die den Weg eines Unternehmens hin zur Klimaneutralit\u00e4t aufzeigen sollen. Dabei werden die Betriebe bei der Planung und Umsetzung der eigenen Transformation hin zur Treibhausgasneutralit\u00e4t unterst\u00fctzt.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n Im Rahmen des Konzeptes muss ein CO2<\/sub>-Footprint erstellt sowie der energetische Ist-Zustand detailliert ermittelt werden. Anschlie\u00dfend wird ein konkretes Ziel zur Reduktion der Treibhausgase (THG) um mindestens 40 Prozent f\u00fcr einen 10-Jahres-Zeitraum definiert. Ebenso Bestandteil des Konzeptes ist die Formulierung eines THG-Neutralit\u00e4tsziels bis (sp\u00e4testens) 2045. Auf dieser Basis wird dann ein Ma\u00dfnahmenplan f\u00fcr die Zielerreichung bzw. Transformation vom Ist- zum Soll-Zustand entwickelt.<\/p>\n\n\n\n Die Detailausarbeitung von mindestens einer konkreten Ma\u00dfnahme im Rahmen eines Energieeinsparkonzeptes ist genauso Bestandteil des Konzeptes wie die Verankerung des Transformationskonzeptes in der Unternehmensstruktur. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen auch weitere Punkte betrachtet werden, wie z.\u2009B. eine Bewertung von Chancen und Risiken oder eine Gegen\u00fcberstellung alternativer Handlungsoptionen.<\/p>\n\n\n\n F\u00f6rderf\u00e4hig sind dabei nicht nur anfallende Energieberatungskosten, sondern auch Kosten f\u00fcr Rechts- und Finanzierungsberatungen sowie weitere notwendige Dienstleistungen. Auch Messungen und Datenerhebungen k\u00f6nnen gef\u00f6rdert werden. Die F\u00f6rderquote f\u00fcr Transformationskonzepte liegt f\u00fcr Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) bei 60 Prozent, f\u00fcr Nicht-KMU bei 50 Prozent und reicht bis zu einem maximalen F\u00f6rderbetrag von 80\u2009000 EUR.<\/p>\n\n\n\n Eine Langzeitstrategie sollte als roter Faden dienen, an dem sich der Betrieb \u00fcber den anvisierten Umsetzungszeitraum orientiert. Grunds\u00e4tzlich sollten zun\u00e4chst vorhandene Einsparpotentiale aufgedeckt und umgesetzt werden. Hiermit lassen sich vor allem Brennstoffeinsparungen erreichen.<\/p>\n\n\n\n Zu beachten ist, dass es f\u00fcr Investitionen in energiesparende Ma\u00dfnahmen zum Teil hohe F\u00f6rderzusch\u00fcsse \u00fcber verschiedene F\u00f6rderprogramme gibt. Oft richtet sich die H\u00f6he der F\u00f6rderung nach der erzielbaren CO2<\/sub>-Einsparung. Gelistete Energie-Effizienzexperten k\u00f6nnen hier sowohl bei der Auswahl des geeigneten Programms als auch bei der Berechnung der F\u00f6rderh\u00f6he unterst\u00fctzend t\u00e4tig sein.<\/p>\n\n\n\n Der Bezug von Fremdstrom k\u00f6nnte z.\u2009B. durch Eigenerzeugungsanlagen (Photovoltaik) reduziert werden. Auch eine KWK-Anlage kann den Carbon Footprint verbessern. Bei der Auswahl des Brennstoffes (zur Dampf- oder Hochdruckhei\u00dfwassererzeugung) besteht die M\u00f6glichkeit, nachwachsende Rohstoffe, z.\u2009B. Holzhackschnitzel, einzusetzen. Aber auch Erdgas kann eine sinnvolle \u00dcbergangstechnologie darstellen. Der Regenerativanteil im Erdgasnetz wird durch Zumischung von Biogas, Wasserstoff oder synthetischem Methan in den n\u00e4chsten Jahren kontinuierlich steigen.<\/p>\n\n\n\n Langfristig werden auf Wasserstoff basierende Technologien eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen. Der Zukauf von gr\u00fcner Energie sollte als letzte M\u00f6glichkeit in Betracht gezogen werden, um nicht vermeidbare Emissionen zu kompensieren.<\/p>\n\n\n\n In Zukunft ist durch verschiedene Faktoren mit zum Teil deutlichen Preissteigerungen im Bereich der Energieversorgung zu rechnen. Zus\u00e4tzlich spielt die eingef\u00fchrte CO2<\/sub>-Bepreisung fossiler Brennstoffe eine nicht unerhebliche Rolle. Um dem entgegenzuwirken und das Ziel der Treibhausgasneutralit\u00e4t zu erreichen, ist eine sinnvolle Langzeitstrategie f\u00fcr industrielle Unternehmen unerl\u00e4sslich. Ausgehend von dem ermittelten Ist-Zustand (z.\u2009B. mittels CO2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck) k\u00f6nnen entsprechende Konzepte mit konkreten Ma\u00dfnahmen entwickelt werden. Hilfestellung gibt es in Form von diversen F\u00f6rderprogrammen. Neben Investitionen in energiesparende Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen auch Transformationskonzepte hoch bezuschusst werden.<\/p>\n\n\n\n Sie m\u00f6chten sich mit einem internationalen Fachpublikum \u00fcber die Entwicklungen der Getr\u00e4nkeindustrie austauschen? Dann laden wir Sie herzlich ein, an der n\u00e4chsten drinktec<\/a> vom 12. bis 16. September 2022 in M\u00fcnchen teilzunehmen.<\/p>\n\n\n\n Dieser Artikel ist powered by BRAUWELT<\/a>.<\/p>\nBepreisung f\u00fcr fossile Brennstoffe<\/h2>\n\n\n\n
Entwicklung der CO2<\/sub>-Kosten<\/h3>\n\n\n\n

Absch\u00e4tzung der gesamten Emissionen<\/h3>\n\n\n\n

Brauerei-spezifische Mehrkosten<\/h3>\n\n\n\n
CO2<\/sub>-Footprint<\/h2>\n\n\n\n

F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten<\/h2>\n\n\n\n

Vom Konzept zum Ma\u00dfnahmenplan<\/h2>\n\n\n\n
Der Weg zur Klimaneutralit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n
Zusammenfassung<\/h2>\n\n\n\n
\n\n\n\n